Sommerserie
Gebäude in Fellheim erinnert an wirtschaftliche Erfolge einiger Fellheimer Juden

Unsere Sommerserie «Denkwürdig» beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, was die Besitzer damit vorhaben oder wie sie darin leben.

Ein Baudenkmal kann auf potenzielle Käufer oft abschreckend wirken. Nicht immer findet sich jemand, der in ein spezielles Gebäude vernarrt ist und Geld und Arbeit investieren will, um es zu sanieren. Dieses Schicksal kennt das Uhrmacherhaus in Fellheim. Zuerst sprangen potenzielle Käufer ab, weil sie den Aufwand fürchteten, den der Denkmalschutz mit sich bringt. Letztlich fand sich ein Käufer, doch wie groß die Chancen auf eine baldige Sanierung sind, ist offen.

<< Insgesamt ist das Haus sowohl bau- als auch sozial- und ortsgeschichtlich ein für Fellheim und darüber hinaus für die Geschichte des bayerischen Landjudentums herausragendes Dokument >>, heißt es in einem Schreiben des Landesamts für Denkmalpflege.

Denn der zweigeschossige Bau in der Memminger Straße gehört zu einer Reihe stattlicher Anwesen, die ab den 1820er Jahren im südlichen Teil der jüdischen Siedlung in Fellheim entstanden sind. Sie stehen laut Landesamt im Gegensatz zu den beengten Wohnverhältnissen der jüdischen Siedlung der zwei vorherigen Jahrhunderte. Damit würden die Häuser, die um das im Jahr 1823 erbaute Uhrmacherhaus stehen, den wirtschaftlichen Erfolg einiger Fellheimer Juden in den Jahren der beginnenden Industrialisierung belegen.

Seinen Namen trägt das Haus, weil im Laufe der Zeit mehrere Uhrmacher darin lebten. Das alles sind für Bürgermeister Alfred Grözinger Gründe genug, sich zu wünschen, dass das Haus saniert wird. Doch ob das im Interesse des neuen Käufers liegt, bezweifelt er.

<< Ich habe ihm aber ans Herz gelegt, dass es zumindest erhalten bleibt >>, sagt der Rathauschef. Schließlich wohne darin auch noch eine Frau mit ihrem Sohn.

Fingerspitzengefühl und Liebe mitbringen

Grözinger spricht davon, dass jemand, der ein denkmalgeschütztes Haus kauft, Fingerspitzengefühl und Liebe zum Gebäude mitbringen muss. Der Käufer selbst wollte gegenüber der MZ keine Aussage zu möglichen Plänen mit dem Haus machen.

Mehr zum Gebäude weiß Alfons Blachowiak, der beim Landratsamt für den Denkmalschutz zuständig ist. An der Westseite des Gebäudes, also von der Memminger Straße aus gesehen dahinter, befindet sich seiner Aussage nach ein großes, unbebautes Grundstück. Der neue Besitzer konnte nur beides zusammen erwerben. << Das eigentliche Gebäude vegetiert vor sich hin und wird halt nur hingenommen >>, bedauert er.

Viele Leute würden den Wert solcher Objekte nicht erkennen und es am liebsten abreißen - was bei einem Baudenkmal aber natürlich nicht ohne Weiteres möglich sei.

In solchen Fällen gelte es, Zeit für das Gebäude zu gewinnen. << Wir können Besitzer vonseiten des Amtes nicht dazu zwingen, es zu sanieren, ihn aber dazu verpflichten, einen gewissen Unterhalt zu leisten >>, sagt Blachowiak. Doch er will auch nicht den Teufel an die Wand malen. Schließlich sei das Uhrmacherhaus noch in gutem Zustand und noch nicht lange im Besitz des neuen Käufers.

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