Füssen
Ganz schön viele Aspekte

Rund um das Thema Schönheit drehen sich die Füssener Kurgespräche - und die einzelnen Referenten beleuchten das Thema aus unterschiedlichsten Blickwinkeln: Bei den jüngsten Vorträgen reichte die Bandbreite von Top-Models bis zur Frage, ob das Christentum eine Religion der Schönheit ist.

Manuela Barth, Kulturwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, illustrierte ihren Vortrag mit Original-Werbespots. Ihre These lautet, dass Claudia Schiffer und die anderen Top-Models Konkurrenz bekommen haben. In ihren Kampagnen setzen «alternative», aber auch alt eingesessene Unternehmen der Schönheitsindustrie auf einen neuen Typ von Frau. Die Gesichter der durch ihre Natürlichkeit attraktiven «Mädchen von nebenan» brauchen keine Schminke. Doch stecke dahinter nur diese Absicht der Industrie: Frauen - aber auch Männer - zu animieren, zu den zahlreichen Körperpflege-Produkten zu greifen.

Michael Bauer, Dozent für Evangelische Theologie an der Universität Würzburg, zeigte in seinem Vortrag über das Thema «Christentum. Eine Religion der Schönheit?» den Besuchern 50 Gemälde und Bilder. Bauers Fazit: «Die bildende Kunst zeigt, dass die Schönheit über ihr Gegenteil, das Hässliche, thematisch wurde.» So bildete die christliche Kunst Dämonen als animalisch und anormal ab. Das habe zu gesellschaftlichen Ausgrenzungen - zum Beispiel von behinderten Menschen und alten Menschen - bis in die heutige Zeit geführt. An der oberflächlichen Schwarz-Weiß-Malerei übte der Referent massiv Kritik. Ihm gefalle es überhaupt nicht, wenn die christlichen Künstler nur die gängigen Stereotypen wiedergeben und damit letztlich den Menschen unter Normdruck zwingen.

Professor Dr. Franz Decker, der an der Fachhochschule Weingarten Pädagogik lehrte, widmete sich der Schönheit der menschlichen Seele. Man solle sich trotz Termindruck den Theaterbesuch gönnen, eine Stunde spazieren gehen, Musik von Bach hören und das Gebet zur gewohnten Zeit. Der Mensch vermöge es in der Tat, selbst sehr viel für die zu tun.

Deckers «Tipps» überraschen nicht. Es sind die Volksweisheiten früherer Zeit, die in der Überlieferung in jedem Kopf «herumspuken» und von der Wissenschaft bestätigt wurden. Die Regeln und Rituale haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren, sind aber oft über Bord gegangen, weil «unser Terminkalender» seit Jahr und Tag voll ist. Seine gesunden «Gegenrezepte» lauten zum Beispiel: Achtsamkeit, Gottvertrauen und positiv besetzte Bilder.

Den nächsten Vortrag hält Pater Christoph Kreitmeir am kommenden Dienstag, 11. August, 20 Uhr, im Franziskanerkloster. Er spricht über: «Wahre Schönheit kommt von innen. Im Alter zu einem sinnerfüllten Leben finden.»

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