Blaichach
Gänsehaut im Naturbad, nervige Bahnschranken und verlorenes Geld

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Das Gasthaus «Schiff» im Blaichacher Ortsteil Bihlerdorf ist ein originelles Haus, mal was Anderes und durchaus geeignet für einen Leserstammtisch, zu dem das Allgäuer Anzeigeblatt am Mittwochabend die Menschen der industriell geprägten Gemeinde eingeladen hatte. Der Saal, wo sich 100 Zeitungsleser eifrig zu Wort meldeten und ein reges Frage- und Antwortspiel geboten war, schuf mit seinen Lichterketten und bemalten Wänden ein Ambiente zwischen Morgenröte und Abenddämmerung. Dennoch waren alle hellwach und lauschten gespannt den Erklärungen von Bürgermeister Otto Steiger zu ortspolitischen Brennpunkten.

Begrüßt und ermuntert von Lokalchef Etienne le Maire legten die Fragesteller auch gleich los und kreideten an, was ihnen nicht passt an der Rathaus-Politik. Muss das Badewasser im gemeinsam mit Burgberg betriebenen Familien-Vital-Park weiterhin Gänsehaut verursachen? Warum sind in Blaichach die Bahnschranken so häufig unten und nerven die Autofahrer? War das wirklich nötig, die Pläne für das Dorfzentrum zu beerdigen? Wer erhält denn nun den Zuschlag für den Bau eines Altenheims? Warum gewährt die Gemeinde trotz ihrer Finanzprobleme Vereinen und einer Skilift-Gesellschaft zinslose Kredite? Warum ist das Rathaus nicht behindertengerecht? Wieso gibt es bislang keine Urnenwand am Friedhof?

Gemeindeoberhaupt Steiger wurde zwar schwer gelöchert, war aber nie um passende Antworten verlegen. Auch anwesende Gemeinderäte hielten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Das Defizit von heuer 165000 Euro im unbeheizten Naturbad schmerzt den Bürgermeister. Aber der nachträgliche Einbau einer Solaranlage erscheint ihm auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Händeringen bei Steiger über die Bahn: Dort sei man nicht bereit, Signale im Bahnhofsbereich anders zu setzen.

Nicht alle Vorleistungen für das aus finanziellen Gründen aufgegebene Dorfzentrum seien perdu, das bisherige Konzept könne teilweise auch auf einen Marktplatz mit Gastronomie angewendet werden, wich Steiger keiner Anmerkung aus.

Es könne gut sein, dass unter zwei Bewerbern für den Bau eines Altenheims der einheimische Unternehmer zum Zuge kommt, lautete die Erklärung zum nächsten Frage-Komplex. Ein beabsichtigtes zinsloses Darlehen soll nach Steigers Darstellung den kulturellen Vereinen für den Bau eines Vereinsheims zugutekommen und diene einer verbesserten touristischen Infrastruktur.

Berichterstattung: Über alle angesprochenen Themen beim Leserstammtisch werden die Redakteure in den nächsten Tagen noch ausführlich berichten. Antworten auf die weiteren Fragen zu Rathaus und Urnenwand gibt der nebenstehende Info-Kasten.

Das zweite Thema des Abends, Kritik am Lokalblatt und Verbesserungsvorschläge der Leser für ihre tägliche Morgenlektüre, nahm ebenfalls einen breiten Raum an diesem Abend ein (siehe nebenstehenden Bericht). Geschimpft wurde nicht. Da mag der «Schiff-Saal» mit seiner Mischung aus Morgenröte und Abenddämmerung beruhigend gewirkt haben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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