Jugendgericht
Fußtritte bei Volksfest haben ein Nachspiel

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat sich das Kaufbeurer Amtsgericht mit einer Schlägerei auf dem Füssener Volksfestplatz befasst, bei der im Juni 2010 zwei türkischstämmige Jugendliche aus Reutte von mehreren Landsleuten aus Füssen verprügelt worden waren. Die beiden Opfer hatten deutliche Blessuren erlitten. Vier Angreifer waren, wie berichtet, im Oktober vom Jugendschöffengericht verwarnt und jeweils zu 120 sozialen Arbeitsstunden verurteilt worden. In dieser Verhandlung hatte ein heute 19-Jähriger, der bislang eine Beteiligung an dem Vorfall bestritten hatte, im Zeugenstand von sich aus reinen Tisch gemacht und einen Fußtritt zugegeben.

Daraufhin wurde gegen ihn ebenfalls ein Verfahren wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung eingeleitet, das jetzt von der Jugendrichterin auf Anregung des Staatsanwalts gegen eine Geldbuße von 500 Euro eingestellt wurde.

In der Verhandlung war der junge Mann geständig und reuig. Er konnte allerdings weder der Richterin noch sich selbst so recht erklären, warum er sich damals eingemischt und einem der beiden Opfer einen Tritt gegen das Gesäß versetzt hatte.

Schlaflose Nächte

Der Angeklagte war offenbar zufällig dazu gekommen, als die Schlägerei bereits in vollem Gange war und der Geschädigte schon am Boden lag. Bei den polizeilichen Vernehmungen bestritt er eine Tatbeteiligung dann derart überzeugend, dass gegen ihn keine Anklage erhoben wurde.

Das Leugnen des jungen Mannes wurmte offenbar die anderen Beschuldigten, die ihn ihren Unmut deutlich spüren ließen. 'Mit mir hat keiner mehr geredet', erinnerte sich jetzt der Angeklagte. Er habe schlaflose Nächte gehabt und sich schließlich dazu entschlossen, die Wahrheit zu sagen.

'Einmalige Entgleisung'

Der Staatsanwalt sah in der Attacke des bis dato unbescholtenen jungen Mannes eine 'einmalige Entgleisung' und regte eine Verfahrenseinstellung gegen eine Geldbuße von 500 Euro an. Die Richterin war damit einverstanden, machte aber auch deutlich, dass sie normalerweise bei Tritten gegen einen am Boden Liegenden zu keiner Einstellung bereit sei.

Weil der Vorfall aber schon lange zurück liege und der Angeklagte seine Beteiligung schließlich doch noch von sich aus zugegeben habe, wolle sie 'nicht päpstlicher sein, als der Papst.' Der junge Mann war über die Entscheidung sichtlich erleichtert und bedankte sich beim Staatsanwalt und der Vorsitzenden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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