Haftstrafe
Fußgänger in Kaufbeuren mit dem Auto gehetzt

'Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was da alles hätte passieren können', sagte die Richterin am Ende eines Strafprozesses vor dem Kaufbeurer Schöffengericht zu einer Verfolgungsjagd, bei der ein 22-jähriger Autofahrer im Juli 2011 in Kaufbeuren einen betrunkenen Fußgänger (31) gehetzt hatte. Laut Anklageschrift gipfelte das Ganze darin, dass der junge Mann auf das Opfer zuhielt und – als dieses auswich – die Fahrertüre aufriss. Der 31-Jährige wurde an der Hand getroffen und erlitt einen Knochenbruch.

Auslöser des Vorfalls war offenbar eine Attacke gegen den Vater des Angeklagten, an der möglicherweise auch der Geschädigte beteiligt war. Der Angeklagte bestritt die Tat jetzt zwar ganz entschieden. Nach der Beweisaufnahme waren aber sowohl der Staatsanwalt als auch das Schöffengericht von seiner Schuld überzeugt. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichen, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Sein seit November 2011 beschlagnahmter Führerschein bleibt noch zwei Jahre lang gesperrt. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Aus Zeugenaussagen hatte sich in der Verhandlung folgendes Bild des Vorfalls ergeben: Um Alkohol-Nachschub zu kaufen, ließen sich der Geschädigte und seine Begleiter nach einer durchzechten Nacht von einem Taxi, das vom Vater des Angeklagten gefahren wurde, zu einer Tankstelle an der Sudetenstraße bringen. Dort kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu Tätlichkeiten gegen den Taxifahrer, der danach eine zerbrochene Brille, ein zerrissenes T-Shirt und eine Schürfwunde an der Nase hatte. Als sein Sohn am Ort des Geschehens eintraf, wurde er von einem Bekannten über den Vorfall informiert.

Dass anschließend eine Hetzjagd gegen den vermeintlichen Hauptübeltäter gestartet wurde, daran hatte der Staatsanwalt im Plädoyer 'überhaupt keine Zweifel'. Dies ergebe sich nicht nur aus den Angaben des Geschädigten und seiner Begleiter – sondern auch aus der Aussage einer Tankstellenmitarbeiterin. Die Zeugin hatte damals Reifenquietschen und Schreie sowie ein Kollisionsgeräusch gehört. Dann seien drei junge Männer in völliger Panik in die Tankstelle geflüchtet und hätten von einer Verfolgungsjagd auf dem benachbarten Parkplatz und der Sudetenstraße berichtetet.

Die Identifizierung des Angeklagten durch den Geschädigten und dessen Begleiter erfolgte jetzt zwar nicht mit hundertprozentiger Sicherheit und hätte allein wohl nicht für eine Verurteilung ausgereicht. Den entscheidenden Ausschlag gab für das Gericht aber, dass sowohl der Angeklagte, als auch sein Bekannter und sein Vater trotz Tumults und eindeutiger Geräuschkulisse von einer Verfolgungsjagd nichts bemerkt haben wollten. Fazit der Vorsitzenden: 'Diese Lügerei wäre völlig überflüssig gewesen, wenn es keine Tatbeteiligung gegeben hätte.' Der Staatsanwalt hatte bereits während der Verhandlung deutlich gemacht, dass er gegen die beiden Entlastungszeugen ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage einleiten wird. (bbm)

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