Furiose Klangerlebnisse im Füssener Paradies

Füssen | kb | 'Hier ist das Paradies', so schwärmte Sigi Schwab, der Spitzengitarrist, bei seinem Auftritt und drückte seine Freude aus, dass er in diesem 'unglaublich kostbaren Raum', dem Füssener Fürstensaal, mit den Ausnahmepercussionisten Ramesh Shotham und Andreas Keller spielen durfte. Die drei Künstler ließen sich von diesem Ambiente sicherlich besonders inspirieren. Sie schufen mit ihrem Percussion Projekt furiose Klangerlebnisse, wobei sie den begeisterten Zuhörern im ausverkauften Konzert die Spannweite zwischen Jazz und der ethnologischen Musik Südamerikas, Afrikas und Asiens aufblühen ließen.

Lächelndes Zusammenspiel

Bereits beim Eingangsstück wird klar, mit welcher Lust Sigi Schwab auf seiner Gitarre groovt, mit geschlossenen Augen in seine Läufe und Akkorde hineinhört und gekonnt meditiert und experimentiert. Immer dann, wenn seine Percussionisten, die äußerst sensibel auf sein Spiel eingehen, bestimmte Impulse setzen, nimmt man ein Lächeln in seinem Gesicht wahr und er zeigt, welchen Spaß ihm das Aufeinandereingehen bereitet. Beim Titel 'Incantation' blickt er 200 Jahre zurück und huldigt in dieser Komposition seine Gitarristenvorgänger. Fabelhaft begleitet Ramesh Shotham auf den Bongos und Andreas Keller ergänzt die Melodien mit seinen Pads, in denen das Glockenspiel frappierend nachgeahmt wird. Eine Symbiose mit fernöstlichen Einflüssen zeigt sich beim Stück 'Garnesha', benannt nach dem elefantenköpfigen Gott, der alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Hierbei beweist Ramesh Shotham seine hohe Kunst beim Schlagen des Ghatams (tönerner Wasserkrug). Fasziniert folgten die Zuhörer dem rasanten Spiel der Finger, der Handknöchel und der Handballen. Sie quittierten sein Können mit Beifallsrufen. Zudem gab er im weiteren Verlauf den Rhythmus mit der Morsing (Maultrommel) zum eindringlichen Spiel der Gitarre. Ergänzend gesellte sich der von Andreas Keller gespielte Belltree dazu und bewirkte farbige Klangtupfer.

Barocke Grundlage für Improvisation

Mit einer Improvisation zum Pachelbel-Kanon richtete Sigi Schwab den Blick nach Europa und zeigte dabei, wie barocke Stücke ein gutes Fundament auch für moderne Klangexperimente gewähren. Beim Kalkutta Blues konnte man das Erwachen einer Stadt mitverfolgen. Glänzend meisterte Schwab die aufwendigen Harmoniefolgen der Ragan Musik.

Die Percussioninstrumente waren nicht nur Rhythmus- sondern auch Melodieinstrumente, wobei beispielsweise das Waterphon, dass Becken, der Gong , Klangschalen, Schüttelrohre und Tambourine bei tollem Drive zum Einsatz kamen. Eine schier endlose Improvisation erlebten die Zuhörer bei 'African Colours'. Das Balafon, Urahn beispielsweise des Xylophons und Vibraphons schuf afrikanisches Lebensgefühl, wobei die aufgewühlten Instrumente ekstatische Momente erzeugten. In der eingängigen 'Ballade für Stefan' zeigte Andreas Keller, wie er sich mit Bassgitarre und Schlagzeug zusammen im Dialog mit der Gitarre hervorragend einbringen konnte. Bei der Vertonung der Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe werden mit Zerrissenheit, Disharmonien und hingeworfenen Akkorden die Grenzen des tonalen Gefüges überschritten, um schließlich wieder in Harmonie zu enden. Spätestens hier zeigt sich die eminente Spannweite der experimentierfreudigen Musiker. Der Einsatz des Wasserrohres war ein besonderer Gag.

Nach dem Erlebnis der Besichtigung der Ruinen der alten Tempelstadt Ankorvat entschlossen sich die Künstler zu einer frischen Interpretation von 'Last magic kingdom'. Eine wehmütige Melodie zog sich durch dieses Klanggemälde. Der indischen Göttin der Liebe wurde im Schlussstück Reverenz erwiesen. Es entluden sich unglaublich explosive und äußerst schwierige rhythmische Strukturen, die souverän gemeistert wurden. Rames Shotham bewies dabei eine verblüffende Fertigkeit mit seinen Sprechwerkzeugen und seiner Atemtechnik.

Ein musikalisches Feuerwerk ließ Andreas Keller auf die Zuhörer niederprasseln, wobei die Vielfalt der Percussion Instrumente großartig zum Einsatz kam. Erst nach zwei Zugaben mit dem feurigen brasilianischen Belo Horizonte und dem bewegten Walking Blues gaben sich die jubelnden Zuhörer zufrieden.

Beim nächsten Fürstensaalkonzert am Samstag, 23. Juni, eröffnen Hyun-Jung und Julius Berger an ihren Violoncelli sowie José Gallardo am Klavier die klassische Kammermusikreihe. Karten sind im Vorverkauf in der Tourist-Information Füssen erhältlich.

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