Archäologie
Fundort Friedhof: Öllampe und Münzen unter der Kemptener Burghalde ausgegraben

Jetzt erst entdeckte Funde im evangelischen Friedhof unter der Burghalde – darunter eine vollständig erhaltene Öllampe und Münzen - bringen Neues zur spätantiken Stadt Cambidanum-Kempten zutage, vermeldet die Stadt. Denn Grabungstechniker der Stadt seien auf die Reste einer Wehrmauer gestoßen.

Bereits bei der Umgestaltung des St.-Mang-Platzes kam das gut erhaltene Untergeschoss der ehemaligen Doppelkapelle für die Heiligen St. Michael und St. Erasmus zutage sowie rund 1600 Bestattungen, von denen knapp 500 einzelnen Menschen zugeordnet werden konnten. Sie waren auf einem Teil des großen städtischen Friedhofs im Umfeld der St.-Mang-Kirche vom 7. bis ins 16. Jahrhundert bestattet worden.

50 Skelette davon fanden 2010 ihre letzte Ruhe in einem Hohlraum in den Grundmauern der Apsis der ehemaligen Kapelle unter dem St.-Mang-Platz. Nach der archäologischen und vor allem anthropologischen Untersuchung sollen die verbliebenen Gebeine ihre letzte Ruhe im Nachfolgefriedhof am Fuß der Burghalde finden. Dafür wurde an der Rückseite der Friedhofskapelle eine große Grabgrube ausgehoben.

Dabei stießen die Grabungstechniker auf Reste der circa 1,80 Meter mächtigen Wehrmauer der spätrömischen Stadt Cambidanum. Durch Steinraub und Grabgruben des ab 1535 am Fuß der Burghalde neu angelegten Friedhofs waren offensichtlich Teile der inneren Mauerschale abgekippt.

Die Mauer war mit halbrunden Wehrtürmen bewehrt und wohl erst Jahrzehnte nach dem Siedungsbeginn (ab ca. 280 n. Chr.) im 4. Jahrhundert erbaut worden. Sie bildete die Westfront der Siedlung entlang des damaligen Hauptarms der Iller.

Eine Reihe von spätrömischen Funden im Altstadtgebiet lassen inzwischen vermuten, dass sich diese Mauer nach Norden fortsetzte, bis zur Geländekuppe am Standort der heutigen St.- Mang- Kirche.

Innerhalb der Wehrmauer wurden Siedlungsreste beobachtet, die aufschlussreicher Funde enthielten. Einige Eisenteile sind ans Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gegangen. Eine vollständig erhaltene Öllampe des 4. Jahrhunderts aus Nordafrika und über 20 spätrömische Münzen gehörten ebenso dazu wie eine sogenannte Zwiebelknopffibel.

Diese Gewandspange aus Bronze war ab dem späten 3. Jahrhundert bis ins frühe Mittelalter Bestandteil der Kleidung höherer Ränge des Militärs und das Standeszeichen von Beamten.

Ein Zwiebelknopf aus Blei belegt, dass diese Fibelart in Cambidanum hergestellt worden war. Daswertet die Forschung als Beleg für die wichtige Rolle des spätrömischen Standorts Cambidanum im 4. Jahrhundert n. Chr. Nur an drei weiteren Orten in der Provinz Raetia Secunda konnte die Herstellung dieser Zeichen nachgewiesen werden.

Ein Bericht zu den archäologischen Funden ist für den schwäbischen Archäologentag geplant. Er soll voraussichtlich vom 19. bis 21. Oktober 2012 in Kempten stattfinden.

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