Füssen
Füssen bekommt Onkologen

Am Krankenhaus Füssen können schon jetzt bestimmte Tumore operativ entfernt werden - dennoch ist das Haus auf der Suche nach einem Facharzt für Krebserkrankungen (Onkologe), wie Dr. Susanne Schlichtner, Vorstandsvorsitzende der Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu, auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert.

Bis vor kurzem betreute Prof. Dr. Heinrich Kremer, ehemaliger Chefarzt für Innere Medizin in Füssen, Krebspatienten vor und nach einer Operation. Er ist jedoch inzwischen im Ruhestand.

Probleme mit der Abrechnung

Nachfolger Dr. Martin Hinterseer behandelt zwar als Herzspezialist (Kardiologe) ebenfalls Krebspatienten - bei ambulanten Chemotherapien für Kassenversicherte gibt es jedoch Probleme mit der Abrechnung. Sie müssen deshalb zu Dr. Michael Kühl nach Kaufbeuren fahren, derzeit der einzige Onkologe im Ostallgäu.

«Am jetzigen Zustand können wir nichts ändern», erklärt Schlichtner. Ziel sei es jedoch, «so schnell wie möglich» einen Onkologen für Füssen zu finden. Dr. Martin Hinterseer hofft, dass dieser spätestens im Oktober vorgestellt wird.

Vier Krebspatienten werden derzeit in Füssen stationär behandelt, neun weitere ambulant. Bei allen Patienten hat Hinterseer die Berechtigung, Chemotherapien durchzuführen. Bei Kranken, die gesetzlich versichert sind, übernehmen die Kassen nach seiner Schilderung die Kosten für die ambulante Therapie allerdings nur, wenn sie ein ausgewiesener Onkologe durchführt.

Fünf Patienten aus dem Raum Füssen müssen deshalb derzeit nach Kaufbeuren fahren. Bei Privatpatienten gebe es diese Vorgabe nicht. «Es handelt sich schlicht um eine Hürde des Gesundheitswesens», kommentiert dies Dr. Schlichtner. Um das Problem zu lösen, wird nun ein Mediziner mit der Zusatzqualifikation Onkologie gesucht.

Prof. Kremer, auch kein Onkologe, legten die Krankenkassen bei der Abrechnung keine Steine in den Weg. Hinterseer: «Als er vor über 20 Jahren Chefarzt wurde, durfte er bei Kassenpatienten ambulante Chemotherapien anwenden.» Heute aber würden andere Regeln gelten.

Ihren Tumor überwachen oder Folgeerscheinungen der Chemotherapie (etwa Infektionen) behandeln lassen, können Patienten auch ohne Onkologen in Füssen, so Dr. Schlichtner: «90 Prozent der gesamten Krebsbehandlung finden weiter vor Ort statt.»

«Aufwand tolerabel»

Dass Kassenpatienten für ihre Chemotherapie vorerst bis nach Kaufbeuren fahren müssen, bedauert auch Hinterseer. «Trotzdem halte ich den Aufwand für tolerabel», so der neue Leiter der Inneren Medizin. Der einzige Trost für die Patienten: Die Fahrtkosten bekommen sie laut Hinterseer von ihren Krankenkassen erstattet. (dr)

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