Lautrach
Fürsprecher des Kreatürlichen

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Die sehenswerte Ausstellung des Memminger Bildhauers und Malers Jürgen Batscheider «Batscheider meets Barock» in der Schlossanlage des Management Centrum Schloss Lautrach steht in reizvollem Kontrast zu ihrem historischen Umfeld: Die strenge Symmetrie der Gartenanlage und des Schlossgrundrisses erzeugen ein starkes Spannungsfeld zu Batscheiders mythischen Skulpturen aus einer Zeit, «als Selbstbestimmung noch selbstverständlich war, als die kleinen Einheiten stark waren und es keinen Staat benötigte.» Hier sieht er seine Reibungsfläche zum Barock.

Doch Batscheider ist kein politischer Künstler, seine Botschaft ist nicht der Anarchismus, sondern der Ruf nach dem Archaischen im Leben, dem Archetypen als kollektivem Schatz menschlicher Urerfahrung, der in Träumen und Mythen symbolhaften Ausdruck findet. Es ist die Kraft dieser Urbilder, vor der er sich verneigt und die er abbildet in Skulpturen wie «der Schrei» - Sinnbild für die Vergänglichkeit als Transformation in neue Lebensformen. Der Künstler wird zum Fürsprecher des Kreatürlichen, der dem Wesen alles Werdenden und Vergehenden im Kreis der Schöpfung nachspürt.

Nichts wird der Natur hinzugefügt, die klaren Formen der zum Teil farbig lasierten Skulpturen sind vielmehr aus den Bäumen herausgeschält wie eine Botschaft, ein altes Wissen, das sich nur dem enthüllt, der - wie etwa der «Mondhund» aus Thuja - das Licht sucht.

Batscheider, der sich seit 20 Jahren vorwiegend der Holzskulptur widmet, verwendet ausschließlich totes Holz. Kein Baum soll der Kunst zum Opfer fallen, denn seine Kunst ist eine Hommage an die Natur. «Im Baum wohnt Weisheit, er wird alt, er beobachtet uns», kommentiert Batscheider seinen «Runenbaum».

Jeder ist Teil von allem

Der «Sonnenfänger», dem die goldene Kugel entgleitet, sobald der Sommer endet, ist ein Mischwesen mit Vogelkopf und Pferdefüßen und zeigt, dass wir alle miteinander verwoben sind. Jeder ist Teil von allem.

Betritt man, vorbei an der in sich ruhenden Nixe «Madame bleu», das Schlossfoyer, findet man hier und auf den Treppenaufgängen weitere Schätze der Schnitzkunst, teils von urwüchsiger Wurzelkraft beseelt wie «der große Schritt», teils schwebend-elegant wie der Schnabelvogel und das Einhorn aus Walnuss, dessen filigrane Form sich aus einem 100 Kilogramm schweren Sockel in die Lüfte schwingt.

Und wer am Ende der Ausstellung noch immer nicht weiß, worauf es im Leben ankommt, den lädt die Kirschbaumliege «In the Gecko» zu Muße und Mondbetrachtung ein. Denn alles hier ist zum Anfassen (und Probeliegen).

Dauer Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober im Schlossgarten des Management Centrum Schloss Lautrach zu sehen. Besucher, die sich die von Landschaftsbildern umrahmten Exponate im Inneren des Schlosses ansehen wollen, werden gebeten, sich an der Hotelrezeption zu melden.

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