Herrenstraße
Für Schlaglochpiste sollen private Gelder fließen

340 Meter Asphalt können bisweilen die Emotionen hochkochen lassen. Besonders, wenn es sich dabei um die Schlaglochpiste zwischen Jugendhaus, Stadtbibliothek und Kreiskrankenhaus handelt: Seit Langem schon fordern die Anwohner die Umgestaltung der Herrenstraße, diskutieren teils hitzig über Parkplätze, den Erhalt von Bäumen und das tägliche Verkehrschaos vor dem Haus für Kinder St. Lorenz.

Kein Wunder also, dass am Dienstagabend weit über 100 Besucher ins Gasthaus Klecks strömten, um sich die aktuellen Planungen für den Straßenausbau erklären zu lassen. Und, um am Ende von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer mit folgender Nachricht überrascht zu werden: Obwohl die Stadt heuer kein Geld für die Herrenstraße hat, könnten im Juni die Bagger anrollen. Denn Sozialbau und Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) Allgäu, die das Prinz-Franz-Gelände über eine gemeinsame Gesellschaft bebaut haben, wollen die Mittel ein Jahr lang vorschießen. Laut Tiefbauamt geht es um rund 420000 Euro (Gesamtkosten: 580000 Euro).

Löcher und Risse

Löcher, Risse, ausgebrochener Asphalt - die Herrenstraße ist in keinem guten Zustand. Doch das ist nicht alles: «Uns geht es auch um die Entschleunigung», sagt Helga Richter vom Verwaltungsbeirat der Neubauten am Hofgarten. Denn obwohl in der Herrenstraße Tempo 30 gelte, würden etliche Autofahrer schneller durchfahren - vor allem nachts. Dazu komme, dass auf der Straße viele Kinder unterwegs seien - wegen der benachbarten Fürstenschule und wegen des Hauses für Kinder St. Lorenz. Allein dort werden über 180 Kinder betreut.

Mehr Sicherheit und dennoch so viele Parkplätze wie möglich - das war daher auch Kinderhausleiterin Nicole Probst ein Anliegen. Doch gerade die Parkplätze waren lange ein Knackpunkt: Nach bisheriger Planung hätten dafür vier große Bäume gefällt werden müssen.

Die neue Idee: Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann erklärte, dass die 76 Parkplätze auf die beiden Straßenseiten aufgeteilt werden könnten. Bislang wird nur an der Seite der Neubauten geparkt. Durch die Aufteilung könne so mancher Bleifuß ausgebremst werden. Weiterer Vorteil: Drei der vier Bäume blieben stehen. Die Gehwege würden breiter und Gefahrenstellen am Kindergarten und an Einmündung Madlenerstraße entschärft.

Das Problem: Diese Idee entspricht nicht dem Bebauungsplan aus dem Jahr 2001. Und eine Planänderung kann lange dauern.

Die Lösung: Laut Oberbürgermeister Netzer könnte die Stadt für die Straßensanierung eine Ausnahme erteilen. Allerdings nur, wenn in den nächsten Wochen keine relevanten Einsprüche gegen eine Ausnahme auftauchen.

Der Vorteil: Wenn die Stadt die Ausnahme erteilt, wollen Sozialbau und BSG einspringen und die Sanierung für ein Jahr vorfinanzieren. An ein vergleichbares Engagement beim Bau einer öffentlichen Straße kann sich Tiefbauamtsleiter Wiedermann nicht erinnern.

Müssen die Anwohner zahlen? Nein, sagt das Tiefbauamt. Die Westseite - also die alten Häuser - sind ohnehin nicht betroffen. Und bei den Neubauten waren die Beiträge in den Kaufpreisen enthalten.

Bleiben Parkplätze kostenlos? Ja. Denn wie Oberbürgermeister Netzer erklärte, werde derzeit weder über eine Bewirtschaftung noch über eine Anwohnerparkzone nachgedacht.

Die Abstimmung: Sieben Anwohner waren für die alte Planung - über 100 für die neue Idee und den schnellen Ausbau. Auch Verwaltungsratsvorsitzende Richter und Kinderhausleiterin Probst zeigten sich zufrieden.

So geht es weiter: Im März soll sich der Bauausschuss mit beiden Varianten beschäftigen. Bis Herbst könnte die Straße fertig sein. Pläne zum Ausbau: (sh)

 

Wie saniert man schnell eine Schlaglochpiste, wenn die Stadt heuer kein Geld dafür hat? Damit solche mit Spielzeug gestellten Szenen in der Herrenstraße der Vergangenheit angehören, sollen anstelle des Spielzeugs bald echte Lastwagen fahren. Foto: Hermann Ernst

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