Für Momente scheint die Zeit stillzustehen

Von Helmut Voith | Bregenz Dem Reiz historischer Fotografien kann sich kaum jemand entziehen. So waren die rund 250 Exponate vor lauter Betrachter fast nicht mehr zu sehen, als die Ausstellung 'Ansichten - Frühe Fotografie aus Vorarlberg' im Vorarlberger Landesmuseum Bregenz eröffnet wurde.

Das Vorarlberger Landesmuseum schöpft hier aus einem Fundus von etwa 35 000 Fotografien, die noch nicht zur Gänze wissenschaftlich ausgewertet sind. Dazu kommen Bilder von Leihgebern aus ganz Vorarlberg. Wie Museumsleiter Dr. Tobias G. Natter berichtet, hat bereits 1847, acht Jahre nach der Patentierung der Daguerreotypie in Paris, der Fotograf Gebhard Gisinger in Vorarlberg für seine 'Daguerreotyp-Licht-Porträte' geworben. Auch von ihm werden sehr seltene Aufnahmen gezeigt.

Nur Originalfotografieen

Aus konservatorischen Gründen musste die Raumbeleuchtung im Landesmuseum stark zurückgenommen werden. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Bilder, die von den Anfängen der Fotografie um 1850 bis 1918 reichen, noch mehr verblassen. Es werden nur Originalfotografien gezeigt.

Wer nah an die Exponate herantritt, kann interessante Details studieren. Ungemein viel ist da zu entdecken, denn seinerzeit wurden die Aufnahmen allenfalls kopiert, nicht aber vergrößert.

Menschen bei der Arbeit

Der Betrachter begegnet dem menschlichen Leben in seiner ganzen Vielfalt. Schon früh wurden Männer und Frauen bei der Arbeit fotografiert, sei es in einer der wichtigen Textilfabriken oder beim Kraftwerkbau oder beim Bau der Arlbergbahn.

Ein herausragendes Motiv ist natürlich der Besuch von Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1909 in Bregenz. Eine andere Kuriosität, von heute aus gesehen, ist der Besuch des FC Bayern München beim FC Lustenau im Jahr 1910.

Man mag sich amüsieren, den bekannten Vorarlberger Maler Rudolf Wacker in verschiedenen Posen völlig nackt abgelichtet zu finden.

Der interessierte Besucher könnte Stunden verbringen, die nach fünf Kapiteln wie 'Land und Leute', 'Aufbruch in die Moderne' oder 'Blick in die Ferne' geordneten Bilder zu betrachten. Für kurze Momente scheint die Zeit aufgehalten zu sein - ein Urtraum des Menschen erfüllt.

Geöffnet bis 1. Juni, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog mit 196 Seiten erschienen.

www.vlm.at

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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