Serie
Für Hochwürden eine «ideale Entspannung»

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Oft stehen sie einsam am Wegesrand, sind meist verschlossen und öffnen sich nur selten bei sakralen Anlässen: Die Rede ist von kleinen Haus- oder Gemeindekapellen. Dabei beherbergen sie zuweilen künstlerische Kostbarkeiten und um ihre Entstehung ranken sich interessante Geschichten. In einer Serie stellen wir verschiedene Kapellen vor.

Sulzberg Es ist sein Lieblingsweg - und der beginnt fast genau gegenüber dem Pfarrhof in Sulzberg: Wenn sich Pfarrer Maurus Mayer trotz seines knappen Zeitbudgets erholen möchte, dann betritt er gerne diesen Weg in Richtung Reisachtobel, von dort aus steigt er in einer knappen halben Stunde hinauf zum Kohlenberg-Höhenrücken. Betend, meditierend, über vieles nachdenkend, gelangt er zur Kapelle in Wachsenegg auf 943 Meter Höhe - und der dortige «wunderbare Ausblick» - vor allem auch in Richtung Kempten - erfüllt den Geistlichen mit Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung.

Natürlich reicht es auch noch zur stillen Einkehr in die kleine Kapelle, denn das eindrucksvolle Muttergottesbildnis mit dem Kinde zieht die Blicke der Besucher automatisch auf sich. «Diese Muttergottes war eine Stiftung des Klosters Kaufbeuren, in dem meine Schwester Oberin ist», sagt Emmi Lochbihler - als Bäuerin des benachbarten Anwesens schaut sie regelmäßig nach dem Rechten.

Die Kapelle wurde 1872 von den Geschwistern Andreas, Michael und Viktor Landerer gebaut. Aus Dankbarkeit für die gesunde Rückkehr aus dem «Siebziger Krieg» gegen Frankreich.

Ab 1910 übernahm Familie Boxler Hof und Pflege der Kapelle, in den letzten Jahrzehnten bewerkstelligten Boxler-Tochter Emmi und ihr Ehemann Reinhard Lochbihler eine Reihe von Renovierungen, von der Trockenlegung des Mauerwerks bis zum neuen Innen- und Außenputz.

Im Gefolge der Sanierung setzte Zimmerer Nico Probst erstmals einen Glockenstuhl auf die Kapelle. Den hatte der Ehren- und Bundesdirigent Hermann Kuen ebenso gestiftet wie die Glocke, die lange Zeit im Besitz der weithin bekannten Musikerfamilie gewesen war.

Viele Menschen kommen an der kleinen Kapelle vorbei, weil der Gehweg nach Sulzberg zugleich die beiden Varianten des Historischen Erlebniswanderweges verbindet. Im Übrigen verlief nahe der Kapelle die Wildbanngrenze, die einst das fürstäbtliche Kempten rund 750 Jahre lang vom Hochstift Augsburg trennte. (mr)

 

Das vergoldete Muttergottesbild in der Kapelle Wachsenegg ist der Stolz von Emmi Lochbihler.

 

Die Kapelle Wachsenegg bei Sulzberg.

Fotos: Mayr

 

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