Kabarett
Für Die Traumfraun lief 2011 nicht alles rund

Kreative Menschen kennen das: Auf Hoch-Zeiten folgen immer auch Momente, in denen plötzlich nichts mehr gelingen will, die Inspiration fehlt und Selbstzweifel an einem nagen. Davor ist keiner gefeit, egal ob Musiker, Maler, Schriftsteller oder auch Kabarettist, egal ob Superstar oder 'Local Hero'. Sechs Jahre lang bewegte sich das Allgäuer Kabarett-Duo 'Die Traumfraun' alias Claudia Lau und Elke Hermann auf der Überholspur. Die Säle waren oft voll ausverkauft, zuletzt tourten sie verstärkt auch außerhalb des Allgäus und schreiben seit einem Jahr regelmäßig für unsere samstägliche 'Zugabe'-Kolumne. Doch 2011, im siebten Kabarett-Jahr, lief es plötzlich nicht mehr rund.

'Es sind einige Dinge passiert, die uns innehalten ließen', erzählt Claudia Lau. Die Zahl der Auftritte nahm ab, die Säle waren nicht mehr rappelvoll. 'Ich habe die gewohnte Leichtigkeit auf der Bühne vermisst', so Lau. 'Wir sind uns plötzlich selber im Weg gestanden', meint Elke Hermann.

Angefangen hatte alles im Januar 2011 mit einem nicht ganz optimalen Auftritt bei der Fernsehaufzeichnung der Prunksitzung 'Schwaben weißblau, hurra und helau' in Memmingen. Eine Mikrofon-Panne war noch das geringste Übel.

Denn die Traumfraun merkten schlagartig, dass ein zehnminütiger Kurzauftritt andere Gesetzmäßigkeiten hat als ein abendfüllendes Programm. 'Die Dramaturgie hat einfach nicht gestimmt', so Elke Hermann. Darüber kamen die Zwei in den Folgemonaten ins Grübeln.

Schwerwiegendere Folgen hatte aber ein Gastspiel im Dezember in der renommierten Bonner Kleinkunstbühne Pantheon. Eingeladen hatte sie Gerburg Jahnke, einst Miglied des bekannten Frauenkabarettduos Missfits (mit Stephanie Überall). Gemeinsam mit zwei weiteren Kabarett-Newcomerinnen – Gesa Dreckmann und Sybille Bullatschek – sollten die Allgäuerinnen einen Abend gestalten.

Ein Auftritt mit Folgen

'Von Anfang an ging alles schief', erinnert sich Claudia Lau. Die beiden hatten vergessen, die einzigen Requisiten, zwei Stühle, auf die Bühne zu stellen. 'Wir waren schon gehetzt, bevor wir rausgingen.'

Und dann versiebte Elke Hermann auch noch ein neues Lied: 'Ich habe plötzlich Texthänger gehabt und an der falschen Stelle eingesetzt. Das ist mir noch nie passiert.' Hinterher gab es Kritik von zwei mitgereisten Freundinnen. Schlimmer noch war allerdings ein Urteil von Jutta Jahnke. Die Schwester der Pantheon-Chefin hat in Hamburg eine Künstleragentur und war extra angereist, um die beiden Allgäuer Kabarettistinnen unter die Lupe zu nehmen – und war enttäuscht. 'Die hat uns hinterher regelrecht demontiert', sagt Elke Hermann und schüttelt den Kopf.

Hatten nicht rund 35 000 Besucher in den vergangenen sieben Jahren die fünf abendfüllenden Kabarett-Programme der 'Traumfraun' gesehen und waren begeistert?

'In der Regel bekamen wir positive Kritiken', versichern die beiden. Doch jetzt blies ihnen im fernen Bonn plötzlich eine Frau den Marsch. 'Letztlich hat Frau Jahnke all die Fragen gestellt, die wir uns die Monate zuvor selber auch gestellt haben', sagt Claudia Lau.

Die Profi-Frau kritisierte nicht nur den Bühnenauftritt, sondern hinterfragte etwa auch die Rollen der biederen Hanni und der esoterischen Celestine, die Claudia Lau (44) und Elke Hermann (48) auf der Bühne verkörpern. Doch Gewitter haben oft eine reinigende Wirkung. So war es auch bei den 'Traumfraun'.

'Jetzt wissen wir, wie man ein Kurzprogramm schreibt', sagt Elke Hermann. Der zweite Auftritt bei 'Schwaben weißblau' habe heuer gepasst (zu sehen am Freitag, 3. Februar, ab 19.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen). 'Der Knoten ist wieder aufgegangen und die Leichtigkeit ist wieder da', freut sich Claudia Lau.

Nun stehen die 'Traumfraun' vor einem Experiment: Denn ihr neues Kabarett-Programm 'Wild auf Wechsel', das sie am 26. Februar in Immenstadt präsentieren, wird erstmals keine durchgängige Geschichte sein, sondern aus einzelnen Nummern bestehen. Kleine Stücke also, in denen sie Hanni und Celestine spielen, aber einfach auch als Claudia Lau und Elke Hermann auftreten.

'Wir wollen etwas Neues ausprobieren', sagt Claudia Lau und Elke Hermann fügt hinzu: 'Und wir sind gespannt, wie das beim Publikum ankommt.'

Karten für die Premiere des neuen Programms 'Wild auf Wechsel', am Sonntag, 26. Februar, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Maria Stern in Immenstadt: Telefon 0 8323/86 28.

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