Fünf Monate Haft für rücksichtslosen Raser

Von Peter Schwarz
| Sonthofen/Blaichach Auf den jungen Mann auf der Anklagebank des Amtsgerichts Sonthofen prasselte eine schwere Kanonade von Rügen hernieder, zusätzlich zur verhängten Freiheitsstrafe von fünf Monaten. «Gemeingefährlich», «das Allerletzte», «total verantwortungslos» - so lauteten die verbalen Etikettierungen durch Richter Andy Kögl und der Staatsanwältin für den Motorradraser. Er hatte sich innerhalb der geschlossenen Ortschaft Blaichach eine auch für ihn selbst lebensgefährliche Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert, bei Tempo 100 und mehr (wir berichteten).

Gestern verhängte das Gericht das Urteil über den 25-Jährigen, nachdem ein erster Verhandlungstag wegen der Vernehmung eines zusätzlichen Zeugen nicht zu Ende gebracht werden konnte. Anders als vor 14 Tagen, als er für jede Vorhaltung sprachgewandt eine Erklärung aus dem Hut zauberte, gab sich der Angeklagte diesmal kleinlaut. Zwar brachte die Aussage des Zeugen, der dem jungen Mann einen Tiefgaragen-Platz für das Motorrad vermietet hatte, aber nie Miete dafür sah, das Gericht nicht entscheidend weiter. Dafür konzentrierte sich das Urteil auf die Raserei in Blaichach.

Angeklagter: Ich war schon immer ein zügiger Fahrer

«Die kleine Runde», die der 25-Jährige einmal drehen wollte, wie er am ersten Verhandlungstag beschönigend darstellte, wäre um ein Haar zum Höllentrip geworden. Denn der Motorradfahrer raste in Blaichach mit hohem Tempo auf ein Polizeiauto zu, das sich auf der Straße quergestellt hatte, um den Spuk des «notorischen Schnellfahrers» (Beurteilung durch die in Rage geratene Staatsanwältin) zu stoppen. Erst im allerletzten Augenblick huschte der junge Mann aufgrund einer Vollbremsung noch an dem Polizeiwagen vorbei. «Wenn da ein Kind über die Straße gegangen wäre» Die Vertreterin der Anklage wagte es nicht, sich das auszumalen.

Der Raser besitzt weder einen Führerschein noch war das Motorrad versichert. Nach einer Fülle von Verstößen gegen die Verkehrsregeln war die Lizenz längst entzogen worden. Immer wieder setzte es auch Bußgelder, weil der Flitzer innerhalb von Ortschaften zu sehr aufs Gas getreten hatte. «Ich war schon immer ein zügiger Fahrer», legte er vor dem Richter dar.

Richter: Lebenslange Sperre wäre besser gewesen

Das Urteil mit fünf Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung und mit einer dreijährigen Führerscheinsperre versehen, akzeptierte der Angeklagte ohne Umschweife. Abschließend bat der ausländische Staatsbürger den Kadi noch zu einem persönlichen Wort in den richterlichen Besprechungsraum. Ob er denn jetzt wenigstens in seinem Heimatland den Führerschein machen dürfe, wollte er wissen.

Richter Kögl rang um Fassung: «Ich hätte ihm den Führerschein lebenslang entziehen sollen».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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