Leutkirch / Aichstetten
Fünf Jahre nach dem Tsunami

Fünf Jahre ist es her, dass ein verheerender Tsunami in Südasien mehr als 200000 Menschenleben gefordert hat. Viel Zeit zum Verarbeiten; zum Vergessen reicht sie nicht. Siegfried Lutz und Sylvia Schwenk aus Aichstetten haben das Grauen vom 26. Dezember 2004 überlebt. Nach «sieben Stunden Todesangst» auf einem Hausdach wurden sie von Einheimischen mit einem Boot gerettet. Dankbar riefen sie danach das Projekt «Spenden für Bentota» ins Leben (wir berichteten). Das wollen sie jetzt abschließen.

«Ich weiß noch jedes Detail. Das läuft ab wie ein Film, du bekommst es nicht mehr aus dem Kopf», sagt Siegfried Lutz (40). Die Angst, sie ist bis heute da: «Wir können immer noch nicht im Erdgeschoss wohnen oder übernachten», schildert Sylvia Schwenk (37) die Beklemmungen, die die Flutwelle bei ihnen ausgelöst hat. Größere Menschenmengen müssen sie meiden, weil sie sich darin in die Enge getrieben fühlen - so wie damals auf ihrer Landzunge zwischen dem Indischen Ozean und dem Bentota-Fluss.

Angst fliegt mit

Jedes Mal, wenn sie Richtung Frankfurt fahren, um in den Flieger nach Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, zu steigen, werden sie schweigsam. Die Angst ist da, und sie fliegt mit. Das wird auch am 23.

Januar so sein, wenn Siegfried Lutz und Sylvia Schwenk wieder nach Sri Lanka reisen, zum siebten Mal nach dem Tsunami - und, so haben sie es zumindest vor, zum letzten Mal.

Fast 30000 Euro haben Lutz und Schwenk aus dem Allgäu, aus Oberschwaben und dem Bodenseeraum zusammengetragen. «Wir haben versprochen, dass jeder Cent ankommt.» Und das sei auch so geschehen, versichert Lutz.

Drei neue Häuser wurden gebaut, eines renoviert. Eine Schule ist entstanden. Kinder, die ihre Eltern beim Tsunami verloren haben und in einem Tempel Obdach fanden, wurden mit Kleidung und Lebensmitteln unterstützt.

Und als sie von einer bettelarmen Familie im Regenwald erfuhren, kratzten die Aichstettener ihre letzten Spendengelder zusammen und bauten dieser Familie ein neues Haus, schleppten Steine und schufteten drei Wochen lang im feucht-heißen Dschungel.

Beim Finanzamt hätten sie sich abgesichert, einen Verein als Partner gefunden, Spendenbescheinigungen seien ausgestellt worden. «Ich habe alles schwarz auf weiß», sagt Lutz und zeigt auf zwei dicke Aktenordner vor sich auf dem Tisch.

«Die Spendenaktion hat uns geholfen, das Erlebte zu verarbeiten», darin ist sich das Paar aus Aichstetten einig. Nun aber sei der Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich unter das «Lebenswerk» (Lutz) zu ziehen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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