A cappella
Fünf Freunde - A capella aus Kaufbeuren

Zusatzkonzert. Ein eher nüchternes, fast bürokratisches Wort. In den Ohren von Musikern klingt es aber angenehm. Da hat dem Publikum etwas so gut gefallen, dass es mehr will. Ein Zusatzkonzert eben. Die Allgäuer A-cappella-Formation mit dem leicht schrägen Namen '5 Gramm' hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon mehrmals solch einen Nachschlag servieren müssen. Erst bei Konzerten im Kunsthaus Kaufbeuren, jetzt wieder in der Kleinkunstbühne 'Altbau' in Irsee. Innerhalb weniger Wochen war der Saal drei Mal restlos ausverkauft. Das schaffen heutzutage nur wenige.

Moni Stapf und Georgy Heinecker sowie Maria, Rupert und Andreas Schmauch heißen die fünf Sängerinnen und Sänger, die diesen A-cappella-Hype im Ostallgäu losgetreten haben. Sie stammen alle aus Kaufbeuren oder waren dort beheimatet.

Aber die riesige Resonanz resultiert nur zum Teil aus ihrem großen Bekanntenkreis. Sie hat vor allem mit dem sängerischen Können zu tun, und ebenso viel mit dem Humor und der Ausgelassenheit, mit der die fünf Freunde mittleren Alters ihre Lieder singen. Oder Ansagen machen wie: 'Es geht jetzt um Leben und Tod. Viel Spaß!'

'Wir machen nur das, wozu wir Lust haben'

Die 120 Zuhörer, die dicht an dicht in dem urigen Kellergewölbe des 'Altbaus' sitzen, sind hin und weg. Am Ende, die Temperaturen sind inzwischen gefühlt um fünf Grad gestiegen, lassen sie das Quintett erst nach der dritten Zugabe von der kleinen Holzbühne gehen.

Die Arrangements im Stil der King Singers, von Manhattan Transfer oder der aktuell so beliebten Wise Guys haben – wieder einmal – gezündet.

So richtig fassen können 5 Gramm diesen Erfolg noch nicht. Wer sie nach einem Rezept oder einem Geheimnis fragt, erhält unterschiedliche Antworten: 'Wir mögen uns einfach, das hört man' (Moni Stapf). Oder: 'Wir machen nur das, wozu wir Lust haben' (Rupert Schmauch).

Sicher ist: Die Stückauswahl, die von aktuellem Pop über Balladen und Gospel bis zu Jazzigem reicht, kommt bei den Leuten bestens an.

'Ihr macht richtig nette Lieder', lobte eine Frau neulich nach dem Konzert.

'Das ist der erste demokratische Chor, in dem ich mitsinge'

Die netten Lieder sind Ergebnis intensiven Übens. Alle zwei, drei Wochen treffen sich die fünf Sänger, die die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zum Namen '5 Gramm' fügten, in Kaufbeuren zu mehrstündigen Proben. Georgy Heinecker reist bis von Schwabmünchen an, Andreas Schmauch aus Wangen im württembergischen Allgäu.

Bis auf Maria Schmauch, die sich in den vergangenen 15 Jahren mit vielen Workshops das Singen aneignete, sind alle einschlägig vorbelastet: Sie gingen durch die legendäre Marktoberdorfer Chorschule von Arthur Groß und sangen Jahrzehnte in A-cappella-Ensembles und Chören.

Einen Leiter im eigentlichen Sinn gibt es bei 5 Gramm nicht, wenngleich Rupert Schmauch, der einzige Berufsmusiker im Ensemble, die meisten Arrangements beisteuert und der Erfahrenste ist. 'Alle sind der Chef', sagt seine Frau Maria.

Und Ruperts Bruder Andreas drückt es so aus: 'Das ist der erste demokratische Chor, in dem ich mitsinge.' Was bei den Auftritten nicht zu übersehen ist. Jeder darf als Solist in den Vordergrund rücken, jeder darf mal ansagen – und jeder darf auch dreinreden.

Jeder hat aber auch volle Leistung zu bringen. In einem fünfköpfigen Chor kann sich keiner verstecken, das ist Singen ohne Netz und doppelten Boden. Und sie scheuen sich nicht vor komplexen Harmonien, überraschenden Wendungen, ausgesetzten Melodien.

Da steht natürlich nicht jeder Akkord hundertprozentig, und manchmal wackelt etwas. Aber selbst anspruchsvolle Hörer kommen auf ihre Kosten. Und der Spaßfaktor ist eben auch hoch. Nicht zuletzt deshalb hat es immer wieder Zusatzkonzerte gegeben.

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