«Fühlte mich nicht ernst genommen»

Thalhofen/Kempten | hkw | Als Sieglinde Fischer nachts mit Herzbeschwerden, tauber Hand «und fast ohne Stimme» aufwachte, war für sie klar: «Ich muss die 19222 anrufen.» Nun denkt die Thalhoferin anders: «Wenn ich ein Taxi gerufen hätte, wäre ich besser dran gewesen.» Denn von der BRK-Rettungsleitstelle Kempten fühlte sich Fischer bei ihrem nächtlichen Notruf nicht ernst genommen.

Das Telefonat schildert die AZ-Leserin folgendermaßen: «Ich habe gesagt, dass es mir schlecht geht.» Als Reaktion darauf habe der BRK-Mitarbeiter sie gefragt, ob sie wisse, wie spät es sei. «Und dann hat er gesagt: Jetzt ist es nachts halb vier. Um diese Zeit schlafen die Leute», erzählt Sieglinde Fischer. Daraufhin habe sie «geschockt» aufgelegt.

«Für jemand, der sich so verhält, ist die Rettungsleitstelle nicht der richtige Arbeitsplatz», empört sich die Rentnerin, die selbst ehrenamtlich im sozialen Bereich tätig ist: «Er hätte sagen müssen: Warten Sie, ich schicke einen Arzt vorbei.» Erst als eine Kollegin von ihr noch mal bei der Rettungsleitstelle anrief, habe diese einen Rettungswagen zu ihr geschickt. «So etwas darf nicht sein: Es hätte mich ja umhauen können», sagt Sieglinde Fischer. Schließlich habe sie danach immerhin elf Tage im Krankenhaus gelegen.

Eine ganz andere Version des Telefonats erzählt Marco Arhelger, Leiter der Rettungsleitstelle Kempten: «Jetzt ist es nachts halb vier, da hat Ihr Hausarzt keinen Dienst», habe sein Mitarbeiter zu Sieglinde Fischer gesagt. Die «unglückliche Formulierung» habe die Seniorin in dem Sinne «Jetzt ist es nachts halb vier, wieso rufen Sie an?» missverstanden, erklärt Arhelger, der sich dabei auf die Tonbandaufzeichnung des Gesprächs beruft.

Durch das Missverständnis sowie weitere Nachfragen sei bei Fischer der Eindruck entstanden, nicht ernst genommen zu werden, so Arhelger: «Wir stellen gezielte Rückfragen, weil wir jeden Fall ernst nehmen. Wir müssen erfahren, was vor Ort passiert ist, um das Einsatzmittel zu bestimmen.

» So sei es ebenso möglich, «nur» auf Hausarzt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst zu verweisen oder einen Arzt «aktiv zu vermitteln» wie den Rettungswagen, den Notarzt oder sogar den Rettungshubschrauber zu schicken.

Als sein Mitarbeiter gemerkt habe, dass es für Sieglinde Fischer in ihrer Verfassung schwierig gewesen sei, genaue Angaben zu machen, hatte diese bereits aufgelegt. «Es liegt mir am Herzen, dass nicht der Eindruck entsteht, wir nähmen Anrufe nicht ernst», so Arhelger.

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