Burgberg
Frischzellen-Kur für den Schutzwald

Anton Klotz, der Oberallgäuer Vize-Landrat, brachte es auf den Punkt: «Wir müssen heute beginnen - Die Ergebnisse wird man aber erst in vielen Jahren sehen.» Deshalb sei die Notwendigkeit der Berg- und Schutzwaldpflege und -sanierung so schwierig zu vermitteln.

Der Beirat der Bergwald-Offensive beließ es in seiner jüngsten Sitzung nicht bei Reden. Die Teilnehmer griffen am Burgberger Hörnle zur Spitzhacke und brachten Weißtannen-, Fichten-, Ahorn- und Buchenpflanzen in den Boden.

Klagen über Freizeit-Nutzung

Vorangegangen waren im Beirat der Bergwald-Offensive durchaus kontroverse Diskussionen, die man in dieser Form schon seit Jahrzehnten kennt: Forstleute werfen den Jägern vor, sie seien an den Verbissschäden mit Schuld, da sie zu wenig schießen. Die Jäger dagegen verweisen auf die Abschusspläne, die eingehalten würden. Immer stärker ist in jüngster Zeit zudem das Argument zu hören, der immer stärker um sich greifende Freizeit-Druck schade dem Wald und störe das Wild. So die ständig wachsende Schar der Schneeschuhgeher, Pilzsammler oder auch die Anhänger des Geo-Coachings (eine Art organisierte Schatzsuche mit Hilfe von GPS-Daten).

In einer ersten Phase seien zahlreiche Aufforstungen geplant worden, und es hätten viele Aufklärungsveranstaltungen in Gemeinden, mit Grundbesitzern und anderen Beteiligten stattgefunden, schilderte Projektmanager Daniel Freuding. Eines der Hauptprobleme: die Vielzahl der privaten Waldbesitzer in weiten Teilen des Allgäus, die durch die Erbteilung über Generationen entstanden ist. Beispiel Grünten-Gebiet: allein hier, rund um den «Wächter des Allgäus» gibt es nach Angaben von Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt in Kempten, rund 1700 Flurstücke mit 450 Waldbesitzern. Die Pflanzungen in einem Projektgebiet der Bergwald-Offensive aber könnten nur dann erfolgreich sein, wenn alle an einem Strang ziehen - Grundbesitzer und Jäger vor allem.

Jürgen Wälder von der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen kritisierte, die Jäger seien in die Planungen der Bergwald-Offensive zu wenig eingebunden worden: «Ihr wollt, dass die Jagd mitmacht, aber wir werden ausgegrenzt.» Versönlichere Töne schlug S. E. Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil, ebenfalls als Vertreter der Hochwild-Hegegemeinschaft, an: Es sei eben im Hinblick auf die Abschussplanung wichtig, dass die Jäger möglichst früh eingebunden werden, beispielsweise wann in einem Projektgebiet gepflanzt wird.

«Genug geredet»

Nun sei genug geredet worden, betonte Franz Berktold als Vertreter der ehemaligen Rechtler in Oberstdorf: «Die Leute sagen, man sieht nichts auf der Fläche - jetzt muss endlich mal gepflanzt werden.» Dem stimmten zahlreiche Beitratsmitglieder zu.

Dann griffen sie zur Spitzhacke und pflanzten einen Berg-Mischwald, von dem erst die Menschen in drei bis vier Generationen direkt in Form eines Erlöses durch den Holzverkauf profitieren werden.

Doch vorher wird dieser Wald den Menschen schon dienen: Als Schutz vor Lawinen und Erosion.

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