Freispruch
Freispruch für Angeklagten vor Kaufbeurer Amtsgericht

'Wir haben hier die klassische Konstellation, bei der Aussage gegen Aussage steht,' stellte der Staatsanwalt zur Ausgangslage eines Körperverletzungsverfahrens vor dem Kaufbeurer Amtsgericht fest.

Eine 25-jährige Frau aus dem Raum Buchloe hatte ihrem Ex-Ehemann vorgeworfen, im Juli 2009 zweimal gegen sie gewalttätig geworden zu sein - was der 24-Jährige vehement bestritt. Nachdem sich die junge Frau in ihrer Aussage wiederholt in Widersprüche verwickelte, sprach die Richterin den Angeklagten frei. Auch der Staatsanwalt hatte einen Freispruch beantragt.

Dagegen war der Anwalt der jungen Frau als Nebenklagevertreter von der Schuld des Angeklagten überzeugt und kündigte an, dass er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen werde. Seine Mandantin war damals in Augsburg zur Polizei gegangen und hatte ihren damaligen Ehemann beschuldigt, ihr zweimal grundlos ins Gesicht geschlagen zu haben. Zudem habe er sie einige Tage zuvor in die Schulter gebissen. Tatsächlich hatte die Frau Verletzungen, die laut ärztlichem Gutachten mit ihren Angaben vereinbar waren, aber für sich allein nach Einschätzung des Staatsanwalts 'noch nichts über den Täter sagten'.

Der Angeklagte beteuerte jedenfalls seine Unschuld und versicherte, er sei von den Vorwürfen seiner Frau völlig überrascht worden. Eigentlich habe er am fraglichen Tag gemeinsam mit ihr und seinen Eltern in den Urlaub fahren wollen. Zuvor habe seine Frau, die sich stets um die Geldgeschäfte gekümmert habe, noch einen gemeinsamen Banktermin ausgemacht, zu dem sie dann aber nicht erschienen sei. Als er zur Bank fuhr, habe dort der zuständige Mitarbeiter nichts von dem Termin gewusst.

Der Mann habe dann Geld für die Reise abheben wollen, woraufhin ihn der Bankberater sinngemäß gefragt habe, was er denn abheben wolle – es sei 'nichts mehr da'. Der Bankangestellte bestätigte jetzt als Zeuge, dass die Konten 'relativ abgeräumt' waren. Als die Richterin nach der damaligen Reaktion des Angeklagten fragte, meinte der Zeuge, der Kunde habe 'absolut überrascht' gewirkt.

Die Ehefrau hatte dagegen erklärt, die Abhebungen seien mit ihrem Mann abgesprochen gewesen und das Geld – insgesamt 9 000 Euro – für den Urlaub und Anschaffungen gedacht gewesen.

Zu den Details der Finanztransaktionen machte sie widersprüchliche Angaben und konnte nach Überzeugung der Verteidigerin auch keine schlüssige Erklärung dazu liefern, warum sie schon vor den angeblichen Übergriffen einen Nachsendeantrag für eine Briefkastenadresse in Augsburg gestellt und wenige Tage nach ihrer Anzeige das Auto ihres Mannes auf ihren Vater umgemeldet hatte. Die Anwältin vermutete ein mögliches Doppelleben und sagte zu der Zeugin: 'Ich denke, dass Sie eine andere Beziehung in Augsburg hatten.' Die 25-Jährige bestritt dies.

Ihre Erklärungsversuche zu den verschiedenen Ungereimtheiten – insbesondere zum Nachsendeantrag – waren für die Richterin letztlich 'nicht befriedigend.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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