Interview
Freiheit für Anfänger

«Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen» heißt das «Theaterspiel mit Friedrich Schillers philosophischen Briefen», das die Grazer Autorin und Regisseurin Astrid Kohlmeier für das Landestheater Schwaben (LTS) in Memmingen geschrieben hat und dort gerade inszeniert. Uraufführung ist am Freitag, 18. Februar. Das Stück soll den Klassiker vor allem für Jugendliche vom Denkmalsockel herunterholen. «Aber auch Erwachsene werden sich nicht langweilen», verspricht Kohlmeier. Brigitte Hefele-Beitlich sprach mit der 27-Jährigen über ihre Arbeit.

Frau Kohlmeier, warum sollten sich Jugendliche mit Schiller beschäftigen?

Kohlmeier: Weil man es bei ihm mit einem großen Idealisten zu tun hat. Er ist der Gegenpol zum heutigen Pessimismus, zu Krisengerede und Resignation, weil er daran glaubte, dass der Mensch die Welt verändern kann. Ich finde es ungeheuer wichtig, dies jungen Menschen zu vermitteln und ihnen zu sagen: Alles, was ihr braucht, ist in euch drin.

Wie wurde Ihnen selbst Schiller in der Schule beigebracht?

Kohlmeier: Ich habe überhaupt keine Erinnerung mehr daran - und das ist sicher ein schlechtes Zeichen! Ich hoffe, dass das mit meinem Theaterspiel besser funktioniert. Auch in meinem Germanistikstudium habe ich mich nicht sehr ausführlich mit Friedrich Schiller beschäftigt.

So richtig berührt hat er mich eigentlich erst jetzt, vor allem über seine Briefe bin ich ihm sehr nahe gekommen.

Und wie wollen Sie diese Erkenntnisse auf die Bühne des Landestheaters bringen?

Kohlmeier: Schillers Stücke sind sehr komplexe Gedankendramen. Er wird zwar auch als Jugenddichter verkauft, aber Jugendliche werden keinen Zugang zu seinen Texten finden, wenn sie nicht auf sie zugeschnitten sind. Deshalb habe ich seine philosophischen Schriften «übersetzt»: Ich habe versucht, seine Sprache - immer mit dem Gedanken ans Publikum - verständlicher zu machen. Und sie in einen Theatertext umgesetzt. Daraus ist ein richtiges Stück geworden, mit Figuren, die auf der Bühne etwas verhandeln.

Das Spannende daran ist, dass man zwei Menschen zuschaut, wie sie sich näherkommen - und Schillers philosophisches Gedankengut immer im Hintergrund eingeflochten ist. Über dem Stück könnte auch «Freiheit für Anfänger» stehen, weil sich ganz plötzlich eine große Welt auftut, in der man etwas verändern kann.

Der Titel Ihres Stücks heißt aber «Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen». Ist das nicht ein gewisser Widerspruch?

Kohlmeier: Das bezieht sich darauf, dass Schiller die Französische Revolution verurteilt hat, weil er fand, dass die Menschen damals für einen gewaltlosen Umsturz noch nicht bereit waren.

Sind es denn die Figuren in Ihrem Stück?

Kohlmeier: Es spielen ein Mann, der «Wilde» heißt, und eine Frau mit Namen «Ratia». Sie spiegeln Schillers These wieder, dass durch den Menschen ein Riss zwischen Gefühl und Verstand geht. Erst wenn er diese beiden Pole in Einklang bringt, ist er fähig, etwas zu verändern. Der Kunst und dem Spiel hat er dabei eine große Bedeutung zugeschrieben.

 

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