Allgäu
«Frau Gregg, Sie sind mir ein Rätsel»

Vor 150 Jahren wurde der TV Memmingen gegründet. Der Verein beging und begeht dies 2009 mit zahlreichen Veranstaltungen. Die Sportredaktion der Memminger Zeitung wird dieses Jubiläum in Form einer Serie begleiten. Heute erscheint Teil drei.

Memmingen Geschlossene Augen, Körperspannung, der Sprung ins Wasser. Ein kurzer Blick auf die gegnerischen Bahnen verrät: Sie führt. Wir schreiben das Jahr 2002, und Herta Gregg gewinnt ihre erste Silbermedaille bei der Schwimmweltmeisterschaft der Senioren in Neuseeland.

«Wenn man mir eine Million geschenkt hätte, ich hätte mich nicht so gefreut», erzählt sie von diesem Erfolg. Heute, sieben Jahre später, ist die Schwimmerin des TV Memmingen (TVM) 74 Jahre alt und noch immer aktiv.

Bei einer Vizeweltmeisterin vermutet man eigentlich eine lange Schwimmkarriere, die schon im frühen Kindesalter begonnen hat. Doch die Memmingerin widerlegt diese Vermutung: Mit dreizehn schwimmt sie zwar ihren ersten Wettkampf, doch das ist auch schon der letzte ihrer Jugendzeit.

Erst als in den 70er Jahren im neuen Hallenbad eine Hilfskraft beim Schwimmunterricht gesucht wird, kommt Gregg ihrer Leidenschaft wieder näher.

Nachdem sie einige Zeit als Übungsleiterin gearbeitet hat, rät ihr Dr. Gerhard Wagner vom TVM: «Mädle, jetzt mach amal was für di», und gibt damit den vielleicht entscheidenden Anstoß für eine erfolgreiche Karriere. 1970 schwimmt Gregg das erste Mal bei den Schwäbischen Meisterschaften mit, 1983 bei den Bayerischen.

Ihr Wunsch damals: «Einmal möchte ich bei der Deutschen mitschwimmen, und da reichts mir schon, wenn ich die Vorletzte bin.» Daran, dass sie einmal einiges mehr erreichen wird als den vorletzten Platz bei den Deutschen Meisterschaften, denkt sie noch lange nicht.

Fünf Jahre später startet die lebensfrohe Frau in Australien das erste Mal bei einer Senioren-Weltmeisterschaft. Sie belegt den elften Platz. Bis heute hat sie schon zehnmal an Weltmeisterschaften teilgenommen und freue sich jedes Mal wieder, «mit Spitzenschwimmern auf dem Startblock zu stehen», sagt Gregg - die ja selbst herausragende Zeiten schwimmt - bescheiden. Ihre Stärken sind die Disziplinen Brust, Rücken und Delfin. «Ich muss ja den anderen auch noch Disziplinen lassen», fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Zeitweise ist sie bis zu 3000 Meter am Tag geschwommen. Und auch heute trainiert sie mit Gerd Knussmann noch hart - trotz oder gerade wegen ihres Rheumas. «Mein Arzt sagt immer: Frau Gregg, Sie sind mir ein Rätsel», so die 74-Jährige, «doch die Bewegung hilft mir gegen die Schübe.»

Seit einiger Zeit ist Gregg auch dem Yoga verfallen. «Das tut rundum gut», sagt sie und zeigt, wie sie die Technik sogar auf dem Startblock ge- und zugleich entspannt anwendet: «Stehen wie ein Baum», nennt sich das.

Man könnte glauben, nach zwei Vizeweltmeistertiteln in ihrer Altersklasse und zahlreichen Gold-, Bronze- und Silbermedaillen sei für die Großmutter und Urgroßmutter langsam ein Ende ihrer sportlichen Karriere in Sicht. Aber sie will weitermachen - «solang i no gratla ka».

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