Folgen der Globalisierung: ein Bericht aus erster Hand

Halblech (mar). Noch ohne ihren Generalsekretär Markus Söder, der in München aufgehalten wurde, besuchte eine CSU-Delegation um die Landtagsabgeordnete Angelika Schorer und den Kreisvorsitzenden Reinhold Sontheimer die Maschinenfabrik Otto Bihler in Halblech. Einem vorbildlichen Betrieb bei der Lehrlingsausbildung und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen wollten sie damit ihre Referenz erweisen. Von Inhaber Matthias Bihler und Geschäftsführer Hans-Jürgen Hörmann bekamen sie aber auch deutliche Worte zu den Folgen der Globalisierung und der EU-Förderpolitik zu hören.

Matthias Bihler berichtete von einem enormen Kostendruck, den beispielsweise die Automobilindustrie auf ihre Zulieferer, darunter viele Bihler-Kunden, ausüben. Chinesische Konkurrenten gäben Angebote zur Hälfte des europäischen Niveaus ab. Das mache nicht nur das extrem niedrige Lohnniveau, sondern auch starke Material- und Energiesubventionen in China möglich. 'Wenn wir die gleichen Bedingungen bekommen, konkurrieren wir mit allen', so Bihler. Ein anderes Beispiel sei das Rußpartikelfilter. Bihler habe zusammen mit der Firma Bosch die Automaten zur Herstellung entwickelt, gefördert mit deutschen Steuergeldern. Produziert würden sie nun im Ausland. 'Was da auf uns zukommt, ist gigantisch', beschrieb Hans-Jürgen Hörmann seine Eindrücke aus China.

Einfach nachgebaut

Ein großes Problem für ausländische Firmen sei dort der mangelhafte Produktschutz. Vieles werde einfach nachgebaut. Einige Firmen hätten sich deshalb bereits wieder aus China zurückgezogen. Innerhalb der Europäischen Union gebe es unterdessen Probleme mit der Förderpolitik. So habe es die Firma Bihler erlebt, dass ein italienischer Kunde mit Fördermitteln der EU ein neues Werk in Polen aufgebaut und anschließend das Stammwerk in Italien geschlossen habe. 'Die EU hat sogar die Umzugskosten subventioniert. Das ist doch schizophren!' so Hörmann.

Zitat

Ich kann doch nicht 80 Millionen Menschen in der Hochtechnologie beschäftigen! }

Firmeninhaber Matthias Bihler zu den deutschen Chancen auf dem Weltmarkt

Angelika Schorer wies auf China auch als Wachstumsbereich hin. Ihrem Beispiel der Firma Osram, die in China spezielle Lampen für den chinesischen Mark zu produziere, hielt Matthias Bihler entgegen: 'Osram hat die Fertigung fast komplett nach China verlagert.' Hochtechnologie sei die Chance Deutschlands auf dem Weltmarkt, bestätigte Matthias Bihler auf Nachfrage der Bezirksrätin Uschi Lax. Aber sie reiche eben alleine nicht. Dass Bihler in Halblech und Füssen insgesamt 664 Mitarbeiter beschäftige, darunter 83 Auszubildende, liege auch daran, dass die Entwicklung neuer Automaten einen Großteil der Arbeit ausmache. 'Wir könnten problemlos Arbeitsplätze abbauen', so Bihler weiter: 'Aber wir sehen immer auch die Familien dahinter.'

'Wir sind sehr froh, das wir solche Firmen in der Region haben, die noch bereit sind, auszubilden und Verantwortung zu tragen für die Arbeitsplätze in der Region', lobte Angelika Schorer. Umso schwerer sei die Verlagerung von Berufsschulklassen nachzuvollziehen, konterte Hans-Jürgen Hörmann. Damit würden den jungen Leuten lange Fahrstrecken zugemutet.

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