Luftverkehr
Flughäfen starten 2011 mit Überraschungen

Turbulente Entwicklung an den Flughäfen Memmingen und Friedrichshafen: Die Luftfahrtgesellschaft Airberlin, die sich vor wenigen Wochen vom Allgäu Airport zurückgezogen hat, startet demnächst von Friedrichshafen aus. In Memmingen diskutieren gleichzeitig Unternehmer Pläne, über eine regionale Vertriebsgesellschaft ein eigenes Angebot für innerdeutsche Flüge auf die Beine zu stellen. Dazu ist derzeit keine Airline bereit.

Als «herben Rückschlag» bezeichneten es Allgäuer Touristiker und Politiker, als Airberlin im August vergangenen Jahres verkündete, den Allgäu Airport aus ihrem Flugplan zu streichen. Das Unternehmen hatte zuvor die Strecken Köln/Bonn, Hamburg und zuletzt noch Berlin bedient. Seit auch die jetzt in Memmingen dominierende Fluglinie Ryanair das Ziel Bremen gestrichen hat, gibt es keine innerdeutsche Verbindung mehr.

Airberlin gab «mangelnde Wirtschaftlichkeit» für den Rückzug an. Branchenkenner glauben eher an strategische Gründe, die mit den starken bestehenden Geschäftsbeziehungen zu den großen Flughäfen München und Stuttgart zusammenhängen könnten.

Am kommenden Montag wird Airberlin nun bei einer Pressekonferenz offiziell ein neues Flugangebot in Friedrichshafen verkünden. Welche Ziele künftig angesteuert werden, ist noch nicht bekannt. Das überraschende Engagement ist für Luftfahrtexperten in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie verweisen auf strategische Allianzen, da das Land Baden-Württemberg sowohl am Flughafen Stuttgart als auch an Friedrichshafen beteiligt ist. Zudem sitzt der Stuttgarter Airport-Geschäftsführer im Friedrichshafener Aufsichtsrat.

Hinzu komme, dass sich Airberlin in Deutschland einen massiven Konkurrenzkampf mit der Lufthansa liefert und jede der Airlines immer wieder dort Angebote schafft, wo die andere bereits präsent ist. Von Friedrichshafen aus fliegt seit längerem die Lufthansa-Tochter Germanwings. Der Bodensee-Flughafen ist auch Startplatz für die kleine österreichische Intersky Richtung Hamburg, Berlin und Düsseldorf.

Diese Flüge sind laut Statistik oftmals gerade halbvoll. Dennoch hält sie Intersky für so erfolgreich, dass alle ab März dreimal täglich geflogen werden. Zum Vergleich: Auf der Berlin-Strecke von Memmingen aus hatte Airberlin eine Auslastung von über 70 Prozent erreicht.

Alle Bemühungen des Allgäu Airport, eine neue Airline als Partner für innerdeutsche Flüge zu gewinnen, scheiterten bislang. Daher überlegen Gesellschafter, diese über eine «regionale Markengesellschaft» selbst anzubieten. Etwas ähnliches haben die Betreiber des schlecht ausgelasteten schweizerischen Bodensee-Flughafens Altenrhein bereits umgesetzt. Sie leasen ein Flugzeug und machen damit der Austrian Airline auf der Verbindung nach Wien Konkurrenz. Das Betreiben eines Flugzeuges ist allerdings aufwendig und teuer.

In Memmingen denkt man daher an ein anderes Modell: Flüge nach Berlin und Hamburg sowie eventuell nach Nordrhein-Westfalen werden über eine eigene Firma vermarktet und Tickets verkauft, der Betrieb jedoch wird einer etablierten Airline überlassen und deren Maschinen ge chartert. Bis zum nächsten Sommerflugplan ist eine solche Lösung nicht zu verwirklichen, da dieser schon im April beginnt und der Ticketverkauf jetzt anlaufen müsste.

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