Flötistin brilliert im Sängersaal

Von Klaus Bielenberg
| Schwangau Mit vier Jahren hatte sie eine Flöte heimlich ausprobiert und dabei den ersten Ton erzeugt. Im Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein wurde das jetzt 14-jährige Ausnahmetalent Alissa Rossius bei ihrem brillanten Auftritt gefeiert. Aber nicht nur sie, auch die griechisch-deutsche Sopranistin Maria Tselegidou und die wiederum hoch motivierten Dresdner Kapellsolisten boten bei ihrem dritten Auftritt im Schloss ein außergewöhnliches Konzerterlebnis.

Wolfgang Amadé Mozart hat in sein charmantes Flötenkonzert Nr.1 dem Solisten schwierige Hürden eingebaut. Mit erstaunlicher Souveränität und bestechendem Tonansatz meisterte Alissa Rossius die virtuosen Läufe, Sprünge und Triller. Die filigranen Melodielinien im Adagio formte sie sorgsam aus. Heiter und duftig gestaltete sie mit dem Orchester das Rondo.

Maria Tselegidou sang Mozarts Rezitativ «Bella mia flamma addio» und die Arie «Resta, oh cara» mit fülliger, biegsamer Stimme auch bei den tieferen Tönen. Intensiv, ausgeprägt artikuliert in den höchsten Tonlagen und Koloraturen, gestaltete sie die extremen Gefühlsausdrücke des Schmerzes, die schließlich zu Rache und Hass mutieren. Mit entsprechender Farbgebung begleitete das Orchester.

In der Merkursinfonie und der Pariser Sinfonie Nr. 2 v. Joseph Haydn bewies es seine Güte in den vitalen Zugriffen bei den schnellen Sätzen mit teils geballten Sforzati-Einstiegen und grandiosen Klangmassierungen. Zarte Melancholie mit filigranen Nuancierungen zeichnete das Adagio in der Merkursinfonie aus. Herrlich waren die gackernden Figuren in der Pariser Sinfonie (La Poule) und der gekonnte Wechsel zwischen Gigue und Jagdmelodik im Finale. Haydns Musik sprühte und ließ die kühlen Temperaturen im Saal vergessen. Riesiger Beifall forderte eine Zugabe.

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