Fußach
Fischer wollen dem Kormoran ans Gefieder

Am Bodensee eskaliert der Streit um die Kormorane. Fischer klagen, dass der Vogel zu viele Fische frisst. Sie wollen den Bestand verringern. Dagegen wehren sich Vogelschützer. Nun beschäftigt der Konflikt sogar die EU-Kommission. Elmar Gehrer kennt das Problem. Der Berufsfischer aus Fußach (Vorarlberg) hat sich einen anderen Hauptjob gesucht. Der Grund: Im Bodensee schwimmen immer weniger Fische. Das liegt zum einen an den Kläranlagen. Sie halten viel Biomasse zurück – totes Getier, Fäkalien und Ähnliches.

Dadurch ist der See sauberer geworden. Das freut zwar Badegäste, Fische aber nicht. Reines Wasser bedeutet für sie weniger Nahrung. Aber Gehrer sieht noch eine zweite Ursache für den Fische-Schwund: Kormorane.

Allein die Erwähnung dieser Wasservögel reicht am Bodensee aus, um Diskussionen bis an den Rand von Schlägereien zu treiben. Die Frontstellung: 250 Berufsfischer aus drei Ländern und unzählige Angler gegen Vogelschützer. Worum es geht, fasst Gehrer zusammen: 'Die Kormorane fressen zu viele Fische. Der Bestand der Vögel muss reduziert werden.'

Als den 'größten Fischvernichter', bezeichnet auch Manfred Hübner vom Bezirksfischereiverein Memmingen den Kormoran. Dass der Vogel nun auch noch zum 'Vogel des Jahres 2010' gewählt wurde, und dadurch verstärkt geschützt wird, kann er nicht verstehen: 'Ich frage mich, warum man so etwas zulässt.

Ein Pfund Fisch am Tag

Elmar Gehrer ist Obmann der 16 Vorarlberger Berufsfischer. Ihr Beute-Konkurrent vertilgt pro Vogel und Tag ein Pfund Fisch. Da wiegt es schwer, wenn seit acht Jahren um die Ecke eine Kormoran-Kolonie ist, momentan die größte am Bodensee.

Rund 500 Exemplare haben sich im Inselreich des Rheindeltas niedergelassen. Die Fischer schlugen offiziell Alarm und wurden erhört. Seit etwa einem Jahr dürfen die geschützten Vögel gejagt werden.

'Das ist Wahnsinn'

Genehmigt hat den Abschuss die Bezirkshauptmannschaft Bregenz. 'Der Kormoran ist zwar willkommen, er darf aber nicht überhand nehmen', sagt Behördenchef Elmar Zech. Ihn hat der Sturm der Empörung, den seine Verordnung auslöste, etwas überrascht. Tier- und Naturschützer machten mobil.

'Das ist Wahnsinn. Man kann nicht in einem Naturschutzgebiet herumschießen', schimpft Rita Kilzer, Vorsitzende der Vorarlberger Sektion des internationalen Vogelschutzvereins Bird Live. Die Fischer sollten sich mit weniger Fischen zufrieden geben, meint Kilzer.

Durch alle Instanzen

Zusammen mit Bird Live ging die Naturschutzanwaltschaft – eine halboffizielle Stelle, die sich offensiv für Tier- und Umweltangelegenheiten einsetzt – durch sämtliche europäischen Instanzen. Zuletzt bekam die EU-Kommission eine Beschwerde. Sie muss jetzt entscheiden. Längst ärgern sich Fischer in halb Europa über den Vogel.

'Die Kormorane leben von der Ostseeküste bis hinauf ins Baltikum. Ihre Population wächst', sagt Peter Dehus von der baden-württembergischen Fischereiforschungsstelle. Früher, als es bei uns im Winter noch kälter war, flog der Kormoran über die Alpen in sein Winterquartier. Leider ist dies seit etwa zehn Jahren nicht mehr der Fall.

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