Allgäu
Finanzkrise: Immer mehr Haustiere landen im Heim

Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise bekommen nun auch die Tierheime in der Region zu spüren. Immer mehr Tierhaltern geht das Geld für ihre Schützlinge aus. Die Folge: Deutlich mehr Menschen geben Haustiere im Heim ab. Besonders betroffen sind Kleintiere wie Kaninchen, Hamster, Mäuse oder Meerschweinchen. Manche Tierheime sind bereits an der Kapazitätsgrenze angelangt.

«Wir bekommen etwa doppelt so viel Tiere wie noch vor eineinhalb Jahren», sagt Heinz Krämer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Marktoberdorf und zugleich Vizepräsident des Tierschutzbundes in Bayern. Gleichzeitig brechen den Tierheimen die Einnahmen weg, da die Spendenbereitschaft in der Krise sinkt: Hier hat Krämer ein Minus von 25 Prozent ausgemacht. Mehr Tiere, weniger Geld - das ist die Situation mit der laut Krämer zurzeit alle Tierheime zu kämpfen haben. «Wir sitzen zwischen allen Stühlen», klagt Krämer. Einerseits haben sich die Tierheime laut ihren Satzungen verpflichtet, Tiere aufzunehmen. Andererseits stoßen sie an Grenzen. «Von der Kapazität sind wir voll ausgelastet», sagt der Tierschützer. Beispielsweise sei das Tierheim in Marktoberdorf gar nicht auf die derzeitige Zahl von Tieren ausgelegt.

In der Not wurde bereits die Krankenstation zweckentfremdet. Auch ein Anbau ist geplant. «Aber das kostet wieder Geld.» Krämer zeigt Verständnis für die Situation der Tierhalter in finanziell unsicheren Zeiten. «Die Leute sind gezwungen zu sparen. Und da der Unterhalt eines Tieres Geld kostet, fangen einige an, bei ihren Haustieren Kosten zu senken.»

Erschütternde Szenen

Von geradezu erschütternden Szenen spricht die Vorsitzende des Tierschutzvereines Lindau, Edith Krammel: Menschen kommen in Tränen aufgelöst zum Tierheim, um ihren Schützling abzugeben, «weil es finanziell einfach nicht mehr geht». Krammel zufolge sind besonders Hundehalter in einer problematischen Lage. Unterhalt und Pflege eines mittelgroßen Hundes mit Futter, Steuer und Tierarztkosten verschlingen laut Krammel monatlich circa 100 Euro.

Krammel sieht aber nicht nur das finanzielle Problem. Wenn ein Tier ins Heim gegeben werden muss, dann sei das immer auch eine seelische Ausnahmesituation aufgrund der engen Beziehung zwischen Tier und Besitzer. «So etwas ist eine Tragödie für Mensch und Tier», sagt Krammel.

Weil es den Tierhaltern schwer fällt, sich von ihrem Hund oder ihrer Katze zu trennen, bitten immer mehr Tierfreunde die Heime um Unterstützung für Futter- oder Arztkosten. Doch sind die Tierheime selbst knapp bei Kasse. Wegen seiner prekären finanziellen Situation steht beispielsweise das Memminger Tierheim vor dem Aus. «Wenn es so weiter geht, müssen wir Ende September schließen», sagte der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Wolfgang Courage. Jährlichen Ausgaben von 100000 Euro stehen Einnahmen von nur 50000 Euro gegenüber.

Zugespitzt hat sich die Situation aufgrund gestiegener Energie- und Tierhaltungskosten sowie deutlich weniger Einnahmen durch private Spenden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Deutsche Tierschutzbund gefordert, Tiere bei der Bemessung von Sozialleistungen zu berücksichtigen. Der Staat müsse sich auch an der Finanzierung der Tierheime stärker beteiligen: «Tierschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Pflicht, der sich Bund, Land und Kommunen nicht entziehen dürfen.»

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