Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Finanznot
Finanzielle Lage des Allgäu-Airports in Memmingen schwierig, aber nicht aussichtslos

Für den Allgäu-Airport in Memmingen geht es ums Überleben: Stehen Unternehmen, Kommunen und der Freistaat dem drittgrößten Verkehrsflughafen Bayerns in den nächsten Monaten nicht finanziell zur Seite, dann könnten für den Linienflugbetrieb Ende des Jahres die Lichter ausgehen.

So drastisch sieht es zumindest der frühere Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser: 'Bis zum Sommer stehen die entscheidenden Weichenstellungen an. Wenn jetzt nicht alle maßgeblichen Kräfte an einem Strang ziehen, sieht es düster aus.'

Den ersten Schritt sollen nun die am Airport beteiligten Firmen machen: In der Gesellschafter-Versammlung am gestrigen Abend wurde nach Informationen der Allgäuer Zeitung über eine Aufstockung der Gesellschafteranteile um vier bis sechs Millionen Euro beraten.

"Das Ja der Unternehmer hätte Signalwirkung für alle anderen", sagt Kaiser. Als weitere Sofortmaßnahme strebt er die Verlängerung eines 1,3-Millionen-Kredites an, den zwei heimische Banken vorläufig bis zur Jahresmitte gewährt haben.

Der CSU-Politiker ist als Berater maßgeblich an einem tragfähigen Zukunftskonzept für den angeschlagenen Airport beteiligt. Den Flughafen drücken derzeit Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 15 Millionen Euro. Zudem steht der Ausbau der Flug-Infrastruktur an, allem voran die Verbreiterung der Start- und Landebahn. Kalkulierte Kosten: 15,5 Millionen Euro.

Das Vertrackte in Memmingen: Der Flughafen steht im Grundsatz finanziell solide da, ist Kaiser überzeugt. "Wir haben kein Strukturproblem, sondern nur einen Liquiditäts-Engpass." Denn dem Millionen-Defizit stünden erhebliche Werte gegenüber. Von den etwa 200 Hektar des Airport-Geländes würde etwa ein Viertel nicht für den Flugbetrieb gebraucht. "Daraus hat man aber in der Vergangenheit kaum Kapital geschlagen," kritisiert der frühere Landtagsabgeordnete.

Diese zu 70 Prozent erschlossenen "1a-Flächen" nahe des Autobahnkreuzes Memmingen will Kaiser nun möglichst schnell verkaufen, etwa mit Blick auf interkommunale Gewerbegebiete. Auch die Vermietung und Verpachtung von Flächen und Liegenschaften werde vorangetrieben. Sein ehrgeiziges Ziel: Der Airport soll mittelfristig nicht nur seine Bankverbindlichkeiten abschütteln, sondern auch den geplanten Ausbau ohne neue Schulden stemmen. "Wenn alle mitziehen, können wir das schaffen", sagt er. Zumal der Flugbetrieb mit dem neuen Partner Intersky auf einem vielversprechenden Weg sei.

Die Passagierzahlen für 2014 jedoch sehen wenig erfreulich aus: Sie sanken laut Airport-Manager Ralf Schmid von 840 000 auf etwa 750 000. Um schwarze Zahlen zu schreiben, braucht der Airport circa eine Million Fluggäste.

Pohl: Erfolg bei Grundschulden

Eine wichtige Hürde für die Vermarktung ungenutzter Airport-Flächen ist laut des Kaufbeurer Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (Freie Wähler) gestern gefallen: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) habe ihm zugesagt, dass der Freistaat einen erheblichen Teil der staatlichen Grundschulden löschen lassen wird, die auf dem Airport-Terrain lasten. Die Grundschulden waren 2004 eingetragen worden, um einen Zuschuss des Freistaats über 7,1 Millionen Euro abzusichern.

"Die Regierung von Schwaben soll nun prüfen, welche Flächen noch zur Absicherung nötig sind", sagt Pohl, der sich für die Löschung stark gemacht hat. Auf diese Weise könne der Airport bald mindestens 30 Hektar verwerten. Pohl fordert zudem eine 30-prozentige Beteiligung des Freistaats am Airport, analog zu München und Nürnberg. Bislang ohne Erfolg: Derzeit gibt es nur die Zusage, den Flughafen-Ausbau mit zehn Millionen Euro zu fördern.

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