Schöffengericht
Finanzberater prellt Anleger aus Marktoberdorf: Zwei Jahre auf Bewährung

'Er hat mir das Blaue vom Himmel versprochen': So erklärte eine Landwirtin aus dem Raum Marktoberdorf vor dem Kaufbeurer Schöffengericht, warum sie im Sommer 2010 auf die Betrugsmasche eines 57-jährigen Angeklagten hereingefallen war. Der Unterallgäuer, der als Finanzberater tätig war, hatte der Frau eine angeblich hochrentable, tatsächlich aber nicht existente Geldanlage im Ausland angepriesen. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs sowie versuchten Betrugs und Urkundenfälschung wurde er zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt.

Dass es trotz ausgefüllter Überweisung nicht zum Transfer von 20 000 Euro auf das Konto des Angeklagten kam, war der Aufmerksamkeit eines Bankmitarbeiters zu verdanken. Dieser war insbesondere auch deshalb stutzig geworden, weil die Kundin keinerlei Unterlagen bekommen hatte.

Als er daraufhin den Finanzberater kontaktierte, präsentierte dieser ein Schriftstück, das sich rasch als Fälschung entpuppte. Vier Familien aus dem Kunden- und Bekanntenkreis des Unterallgäuers, die schon früher auf seine Versprechungen hereingefallen waren, hatten nicht so viel Glück: Sie verloren insgesamt 74 000 Euro.

In der Verhandlung war der Angeklagte zwar grundsätzlich geständig gewesen, wollte sich aber wegen psychischer Probleme an nichts erinnern können – auch nicht daran, wo das ergaunerte Geld geblieben ist. Dieses ging zwar nachweislich auf seinem Konto ein und wurde in bar abgehoben, ist seither aber angeblich verschwunden.

Der Angeklagte beteuerte, dass er es nicht für sich verwendet habe: 'Sonst hätte ich einen anderen Lebensstil an den Tag gelegt und mit weniger finanziellen Problemen zu kämpfen.'

Deutliches Unverständnis

Die Verteidigerin verwies darauf, dass ihr Mandant nach den Taten sein Haus habe verkaufen müssen, und fügte hinzu: 'Wenn er das Geld noch gehabt hätte, wäre das wohl nicht geschehen.' Der Staatsanwalt brachte dagegen in seinem Plädoyer dem Angeklagten gegenüber sein deutliches Unverständnis darüber zum Ausdruck.

An der Schuldfähigkeit des Mannes bestanden für den Anklagevertreter und das Gericht keine Zweifel: Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte dem Angeklagten zwar 'gewisse Stimmungsschwankungen' attestiert, das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung, die eine Einschränkung oder gar Aufhebung der Schuldfähigkeit zur Folge hätte haben können, aber ausgeschlossen.

Der bis dato unbescholtene Angeklagte muss zusätzlich zu seiner Bewährungsstrafe die von ihm verursachten Schäden in Raten abstottern.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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