Biografie
Ferdinand Kuschel - Kemptener Künstler steht im Mittelpunkt

Als vor etwa zwei Jahren Dr. Dieter Weber gefragt wurde, wo in Kempten der Flüchtlingsbrunnen von Ferdinand Kuschel stehe, wusste er noch nicht, wohin ihn diese Frage führen wird. Weber, Diplomhistoriker und Archivar im Stadtarchiv Kempten, machte sich auf die Suche – nicht nur nach dem Brunnen, der sich in der Kemptener Kantstraße befindet, sondern auch nach dem Leben und künstlerischen Schaffen des Allgäuer Bildhauers und Malers mit sudetendeutschen Wurzeln.

'Zunächst war es ein rein geschichtliches Interesse, das durch verschiedene Persönlichkeiten befeuert wurden, die zeitgleich an diesem Thema arbeiteten', erzählt Weber. Nun kann man seine Recherchearbeit samt den sich daraus ableitenden Reflexionen über Kuschel und die geschichtlichen Hintergründe auf fast 200 Seiten im 'Allgäuer Geschichtsfreund' (Nummer 111) nachlesen. 'Es war eine spannende Suche, die noch längst nicht abgeschlossen ist', erklärt Weber.

Er und seine Mitautoren förderten immer mehr Hintergründe zutage: Dieter Putner verfasste einen Beitrag für die Sternberger Heimatpost, Dr. Miroslav Koudela, der Vizedirektor des Bezirksstaatsarchivs Olmütz, unterstützte die Recherchearbeit aktiv, und Dr. Werner Scharrer befasste sich vor allem mit der künstlerischen Hinterlassenschaft.

So konnte dem Artikel über Kuschel auch ein Werkverzeichnis beigefügt werden, welches einen genauen Überblick zu den einzelnen Arbeits- und Lebensphasen gibt.

Vor allem wird deutlich, dass Ferdinand Kuschel, geboren 1899 in Sternberg/Mähren und gestorben 1966 in Kempten, aufgrund der Naziherrschaft zu einer tragischen Figur wurde. Nach dem Kunststudium in Wien avancierte Kuschel in seiner Heimat zu einem gefragten und renommierten Bildhauer.

Der Bruch in seinem Leben kam 1938, als die Nazis die Macht im Sudetenland übernahmen und der erklärte Antifaschist unter dieser Herrschaft zu leiden begann. Seine Schaffenskraft versiegte, er widmete sich dem Widerstand.

Nach dem Krieg wollte Kuschel in der Tschechoslowakei bleiben, und beantragte die Staatsbürgerschaft. Die Behörden verweigerten sie ihm, und Kuschel wurde – wie die meisten anderen Deutschen – zwangsweise ausgesiedelt. 1946 kam er nach Kempten, fasste aber in der 'neuen Heimat' künstlerisch keinen Fuß.

Eine Bildhauer-Werkstatt konnte er sich aus Geldmangel nicht einrichten, also verlegte er sich aufs Malen. Zwar schuf er auch auf diesem Feld starke Werke, eine nachhaltige Anerkennung wurde ihm freilich nicht zuteil.

Pünktlich zur aktuellen Ausstellung 'Liebeserklärung an die Frau' mit Bildern von Kuschel im Kornhaus erschien der 'Allgäuer Geschichtsfreund'. Es befinden sich noch weitere Artikel in dem Band. Über die Schallenmühle erzählt Franz Abele, ein altes Gebäude bei Heiligkreuz. Volker Diehl und Sigulf Guggenmos berichten in Daten und Fakten über die Kelten im Ostallgäu, und Dr. Wolfgang Haberl erzählt seine Studienerlebnisse in Dillingen.

Erhältlich in der Geschäftsstelle des Heimatvereins (Tel. 0831/5406750).

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