Kempten
Feines zum Fürstensaal-Finale

Fast vollständig füllte sich der Fürstensaal am Sonntagnachmittag zum fünften und letzten Classix-Konzert. Die cleveren Programm-Macher hatten ein langes, aber exquisites Bouquet komponiert, was den Musikern und dankbaren Fans ein ideales Finale ermöglichte. Von den galanten Stückchen des Franco-Litauers César Cui über die finsteren Winterlieder von Elena Firsova und der vollends gelungenen Deutschen Lokshin-Erstaufführung bis zum herrlichen Klangbad von Tschaikowskis Streichsextett ermöglichte die internationale Künstler-Riege spannende Einblicke in die vielvölkischen Wurzeln der russischen Komponistenriege und deren Auseinandersetzungen, etwa mit der deutschen Romantik.

So gab die sizilianische Flötistin Silvia Careddu bei Cui ein keckes Nachtvögelchen, das sich mit den warmen Geigentiefen des Israelis Hagai Shaham und dem perlenden Piano des Finnen Juhani Lagerspetz feinste Dialoge lieferte. Ähnlich intime Klangarbeit trotz heikler Repetitionen lieferte der künstlerische Leiter des Festivals, Oliver Triendl, bei den Schumann-nahen Horn- und Fagott-Stücken des Ukraino-Belgiers Reinhold Glière.

Aufführung versprochen

Nach mit Extrem-Sprüngen (gegen die Deportation in den Gulag) aufschreienden Firsova-Liedern, deren flirrende Cello-Begleitung eine schaurige «Boris-Godunov»-Stimmung zauberte, kam es mit Alexander Lokshins (1920 - 1987) Klarinettenquintett zu einem ersten Höhepunkt: Der New Yorker Klarinettist Charles Neidich hatte

dem kranken Komponisten 1977 in Moskau eine Aufführung versprochen und konnte nun in Kempten erfolgreich Werbung für ein sehr gutes Stück machen: Lokshin hat die Vorbilder von Mozart bis Reger wohl studiert und geht mit thematischem Material und Instrumenten-Typologien clever um. Hier sei der von Cellist Maximilian Hornung mit warmem Pizzicato geleitete Übergang aus dem erstarrenden Trauermarsch und die fast schmierige Viola-Variation (James Boyd) herausgehoben.

Auch bei Tschaikowskis Streichsextett «Souvenir de Florence» ist eine Lanze für die Bratschen zu brechen, denn die lichtdurchfluteten Kantilenen, die Hariolf Schlichtig inmitten von «Stradivari»- und «Goffriller»-Schwergewichten seiner «Gasparo da Salo» entströmen ließ, waren ein besonderes Geschenk.

Selbstredend gelang der ganze sehnsuchtvolle Klang-Kosmos in gemeinsamer Gestaltungsfreude und sagenhafter Saltarello-Brillianz! Die Zuhörer dankten lange mit Ovationen im Stehen.

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