Oberstaufen
Feiern in der Ersatzfamilie

Wenn an Heiligabend in vielen Wohnzimmern die Kerzen am Christbaum brennen, Weihnachtslieder gesungen und erste Geschenke ausgepackt werden, beginnt für Marcus Janzen der Stress. Der 22-Jährige ist stellvertretender Küchenleiter im Hotel Bergkristall in Oberstaufen und an Heiligabend ist in der Küche kein Platz für Idylle. «Da muss alles perfekt sein; das ist eine ganz besondere Herausforderung», erzählt Janzen. «Aber es macht auch Spaß.»

Die Gäste müssen zufrieden sein

Insgesamt acht Mitarbeiter bereiten das Essen für die 120 Hotelgäste zu - da muss jeder Einzelne sein Bestes geben. «Ein bisschen Stress gehört dazu, wenn er gut organisiert ist», sagt Janzen und lacht. Die Vorbereitungen für das Festmenü beginnen Wochen vorher. Sind die Gäste zufrieden, dürfen auch die Mitarbeiter feiern. «Wenn irgendwas schief gegangen ist, würde bei uns keiner auf die Idee kommen, anzustoßen», so Janzen. Lang gefeiert wird sowieso nicht. Am ersten Weihnachtsfeiertag geht die Arbeit ja wieder weiter.

Auch Stephanie Schneider hat sich daran gewöhnt, an Heiligabend im Hotel zu sein. Während ihrer Ausbildung hat sie drei Jahre Weihnachten im Hotel gefeiert. «Das erste Mal war es schon ein komisches Gefühl, aber mittlerweile sind die Menschen hier wie eine Ersatzfamilie für mich», erzählt die 20-Jährige. «Wir haben ja auch sehr viele Stammgäste.»

Die Oberstaufnerin arbeitet an der Rezeption. Vor Weihnachten sorgt sie auch in anderen Bereichen des Hotels dafür, dass die Gäste ein festliches Ambiente vorfinden. Jedes Detail muss stimmen. Das gesamte Haus ist kunstvoll dekoriert: Vor dem Fenster mit dem Panoramablick auf die umliegenden Berge steht ein geschmückter Christbaum. Für Hotelangestellte bleibt an Weihnachten keine Zeit zur Besinnung, betont Schneider. «Bei uns ist Hochsaison und die Gäste wollen einen besonderen Abend erleben.»

Seit 1996 feiert die Familie Lingg jedes Weihnachten mit ihren Gästen: «Als wir uns dazu entschlossen haben, das Hotel zu führen, war uns klar, dass wir Weihnachten immer hier verbringen», sagt Hans-Jörg Lingg, der das Hotel zusammen mit Ehefrau Sabine betreibt. «Die Feier mit unseren Gästen ist schon eine Tradition, zu der auch meine Eltern, meine Frau und meine Jungs kommen.» Das kommt gut an: «Für viele Gäste ist es wichtig, an Weihnachten ein bisschen heile Welt zu haben», sagt der Hotelier. «Viele sind inzwischen alleine oder ihre Kinder sind erwachsen und feiern woanders. Dann finden sie bei uns ein Stück Geborgenheit.»

Bescherung im Familienkreis

Jedes Jahr an Heiligabend hält Lingg eine kurze Rede. Er erzählt von seiner Kindheit auf dem Bauernhof und davon, was ihnen als Kindern das Fest bedeutet hat. Dann zieht er sich mit seiner Familie zurück und es gibt im kleinen Kreis Bescherung. Das respektieren die Gäste. «Sie fordern mich sogar auf, endlich zu verschwinden und zu meiner Familie zu gehen», so Lingg. Die Familienfeier dauert aber nur bis 22 Uhr: Dann folgt die traditionelle Fakelwanderung mit den Gästen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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