Sonthofen / Oberallgäu
Faustschläge und Fußtritte

15 Zeugen waren bei einem Prozess vor dem Amtsgericht Sonthofen aufgeboten, um eine Schlägerei im November 2008 vor der Markthalle der Kreisstadt nach einem Klausen-Umzug aufzuklären. Doch Richterin Brigitte Gramatte-Dresse hatte Mühe, aus den widersprüchlichen Aussagen der bei der Rauferei zuschauenden Jugendlichen den Ablauf herauszukristallisieren. Das Opfer wurde mit Faustschlägen und Fußtritten auch gegen den Kopf so schwer geschunden, dass alarmierte Sanitäter dem Bewusstlosen beistehen mussten.

Von den drei jungen Leuten auf der Anklagebank wurde der Älteste, ein 26-Jähriger, zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt, als «letzte Chance» ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Die Staatsanwältin wollte, dass der junge Mann, der sich erst im allerletzten Moment zu einem Geständnis bequemte, gleich hinter schwedischen Gardinen verschwindet.

Komplizierte Beweisaufnahme

Mehrere Stunden brauchte die Richterin, um einigermaßen Klarheit in die Sache zu bekommen. Die Begleitumstände der Beweisaufnahme waren für ein Amtsgericht nicht gerade alltäglich.

Da musste zwischendrin Kontakt mit dem Landgericht Kempten aufgenommen und Rücksprache bei der Staatsanwaltschaft Kempten gehalten werden, ob denn zugunsten des Hauptverantwortlichen überhaupt eine justiziare Absprache zur Verkürzung des Prozesses erfolgen kann.

Noch im Gerichtssaal unterschrieb der junge Mann einen Rückzieher von seiner Berufung gegen ein Urteil, das erst im Juli vor dem Amtsgericht gegen ihn erfolgt war. Nur so war ein Strafrabatt zu erhalten, indem eine Gesamtstrafe gebildet wurde. Immerhin hatte der Schläger schon vier Jahre hinter Gittern verbracht. Der «Deal» des Gerichts war auf Betreiben der Richterin auch dazu gedacht, weitere Zeugen vor Falschaussagen zu bewahren, die nur zu neuen Prozessen geführt hätten. Es sah zwischenzeitlich ganz danach aus. Die Aussagen speziell einer Zeugin wurden deshalb wortwörtlich protokolliert.

Opfer vor der Tür malträtiert

Die Missetat hatte ihren Ursprung bei einer Party in der Sonthofener Markthalle. Draußen vor der Tür wurde das Opfer erst durch Faustschläge eines zweiten Angeklagten malträtiert. Der 26-Jährige setzte bei dem am Boden liegenden Opfer nach, mit zwei Fußtritten gegen Kopf und Körper. Lange Zeit hatte dies der Haupttäter abgestritten, bevor er sich auf Anraten seiner Verteidigerin und aufgrund des massiven Drucks der Richterin zum Eingeständnis durchrang. Zuvor hatte er behauptet, er sei auf einer Eisplatte ausgeglitten und habe dabei das Opfer lediglich gestreift.

Ein anderer Anklagepunkt wurde nicht vertieft. Der in Sonthofen mit den Fäusten beteiligte Angeklagte hatte nebst einem weiteren Beschuldigten einen Gleichaltrigen in den Schwitzkasten genommen. Dies war in einem Augsburger Wohnheim geschehen. Lapidare Erklärung: «Wir haben nur geblödelt». Gegen den Jüngsten des Trios wurde das Verfahren gegen gemeinnützige Arbeit eingestellt. Eine Verwarnung und 400 Euro Geldbuße gab es für den Faustschwinger. Alle drei Angeklagten wurden von Richterin Gramatte-Dresse aufgefordert, sich beim Opfer zu entschuldigen. Dies taten sie umgehend per Handschlag.

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