Waltenhofen / Walkarts
Fast keiner konnte Noten lesen

Es war einmal vor 25 Jahren. Da stand in Walkarts, einem Weiler der Gemeinde Waltenhofen, das Jubiläum zum 15-jährigen Bestehen des örtlichen Fußballvereins vor der Tür. Zu einem ordentlichen Jubiläumsfest gehört ein Weckruf in der Früh, dachten sich die jungen Walkartser. Und dazu braucht es eine Musik. Aber genau die hatte das kleine Dorf nicht. «Deshalb haben wir die Fenteskapelle gegründet», erzählt Georg Raith, Kopf der Kapelle.

Etwas hat einen «Fentes» - das bedeutet, es hat einen Schlanz, es passt. Doch das tat es 1984 überhaupt nicht, erinnern sich die neun Kapellen-Mitglieder der ersten Stunde noch heute lachend. Denn eine Kapelle gründen ist das eine, ein Musikinstrument spielen das andere. Gerade mal drei der Burschen in Walkarts beherrschten ein Instrument und die versuchten es, in den wenigen Monaten vor dem Jubiläum den anderen beizubringen.

Und ganz ohne Dirigent

Die meisten «Musiker» liehen sich Trompete, Horn, Tuba oder Trommel anfangs von anderen Kapellen aus. Klarinette wollte damals keiner spielen, deshalb gab es auch keine in der Kapelle. Genauso wenig wie einen Dirigenten. Aber den gibt es auch heute noch nicht bei der Fenteskapelle.

Zum Fußball-Jubiläum hatte die Truppe schließlich drei Lieder im Repertoire - «Gruß ans Liebchen», den Reichswehr-Marsch und das «Fuhrmannslied», das später als «Fentes» zur Erkennungsmelodie der Kapelle wurde.

Und wie kam der Auftritt vor 25 Jahren an? «Wir haben grausam gespielt, aber die Leute im Dorf waren trotzdem begeistert», heißt es aus der Runde. Zwangsläufig musste die Gruppe weitermachen, die Fenteskapelle war geboren. «Noten lesen konnte damals fast keiner. Deshalb haben wir uns die Griffe drüber geschrieben», weiß Raith.

Gespielt wird dort, «wo man uns haben will» - beim Trachtenfest des örtlichen Heimatvereins, auf vielen Bockbierfesten der Waltenhofener AH-Fußballer, im Fasching, an Geburtstagen oder dem «Bäuerinnen-Kränzle».

«Da waren wir einmal so schlecht, dass die Frauen den Bühnenvorhang zugezogen haben, damit wir aufhören.» Doch das kommt mittlerweile nicht mehr vor, jahrzehntelanges Üben hat sich ausgezahlt. Nach wie vor spielt die Kapelle nicht für Geld, sondern für Essen und Trinken - was aber auch nicht immer billig ist. Schließlich stehen bis zu 22 Mann auf der Bühne, wenn es am Wochenende heißt: «Auf gehts zum Fentes.»

Programm: Freitag 20 Uhr «SIB-Project». Samstag 20 Uhr «Abend voller Überraschungen». Sonntag 10 Uhr Feldmesse, 14 Uhr «1. Walkartser Musikanten-Highland-Games», Musizieren für jedermann und ab 20 Uhr Theater.

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