Eishockey
Fassungslos

«Warum?» Ein Wort, geschrieben in blauer Schrift neben zahlreichen Grab- und Teelichtern. Den tragischen Tod eines 19-jährigen Juniorenspielers kann beim ESV Kaufbeuren niemand fassen. Es sei brutal, über den Hof in Richtung Stadion zu laufen, hört man von Spielern. Vorbei an der Geschäftsstelle, wo neben Kerzen und einem Mannschaftsfoto auch ein kleines Stofftier und ein Brief an den Verstorbenen liegen (Foto: Mathias Wild).

Bei allen im Verein gibt es an diesem Dienstag nur ein Thema. Es ist aber nicht nur das «Warum», das im Mittelpunkt steht, sondern auch das «Weiter». «Gut ist alles, was hilft, um Stress abzubauen», erklärt Kriseninterventionsberater Oliver Junker. Deshalb wurde der Mannschaft auch geraten, bald wieder zu trainieren. «So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, ein Miteinander. Und wo kann man besser Stress abbauen als beim Sport?», sagt Junker.

Dass es gut sei, direkt mit dem Sport weiter zu machen, meint auch Jugendtrainer Alfred Weindl. Er verlor im Junioren-Alter einen Mitspieler bei einem Verkehrsunfall auf dem Weg ins Training. «Wir haben am nächsten Tag direkt ein internationales Spiel gespielt», erzählt Weindl.

Um kurz nach 20 Uhr kommen die ESVK-Junioren schließlich aus ihrer Kabine - teils mit gesenktem Haupt und feuchten Augen. Zielstrebig steuern die Spieler auf das Eis, Trainer Bruno Müller bleibt einige Meter von der Eisfläche entfernt stehen. Er zeigt mit seinem Eishockeyschläger fassungslos auf die Stelle, an der sein Spieler am Tag zuvor zusammengebrochen war. Immer wieder wird das Erlebte an diesem Abend geschildert. Müller schüttelt den Kopf.

Dann geht er doch wieder raus

Eigentlich, so sagt er später, wollte er zunächst nie wieder in ein Eisstadion. «Aber ich kann meine Buben da nicht alleine sitzen lassen».

Zwei, drei Minuten steht er noch draußen, dann gibt er sich einen Ruck, sagt: «Ich muss jetzt aufs Eis.» 50 Minuten dauert die Übungseinheit schließlich. Es heißt danach von den Spielern, sie hätte in der Tat gut getan. Unterstützung bekommt Müller vom Co-Trainer der ersten Mannschaft, Robert Köcheler. Er kannte den Verstorbenen gut, erzählt Geschichten von ihm.

Dort in der Kabine erinnert ein Grablicht am Platz des Verstorbenen an die Ereignisse vom Montag, die Allgäuer Zeitung mit dem Bericht darüber ist aufgeschlagen. Das Handy von Müller will nicht aufhören zu klingeln, auch an diesem Abend nicht. Aus der ganzen Republik kommen Beileidsbekundungen. Die Eishockeywelt scheint ganz eng zusammengerückt zu sein. Worte sind an diesem Abend zumeist überflüssig, aber oft passend.

«Das ist eine so sensationelle Truppe», sagt Müller über sein Team. «Und jetzt bricht einfach ein Teil heraus.»

Trainingsbetrieb wird fortgesetzt

Der Trainingsbetrieb der Junioren wird - auch auf Anraten des Kriseninterventionsteams - wie geplant weitergehen. Das für Sonntag angesetzte Bundesligaspiel gegen Bietigheim wurde abgesagt, die Dienstagspartie gegen Peiting soll verlegt werden.

Während die Frage nach dem «Warum» alle am Berliner Platz beschäftigt, bespricht der Vorstand unter Beisein des Trainers nach der Übungseinheit das «Weiter». Geplant ist, dass die Mannschaft an der Beerdigung teilnehmen wird, ein Bus soll sie dorthin bringen. Mit im Gepäck werden sie ein Mannschaftsfoto haben - geschossen am Montagvormittag rund eine Stunde vor dem tragischen Unglück.

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