Farbenprächtige Blüten der Musik

Von Klaus Bielenberg
| Füssen «Hautnah», wie es Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller ausdrückte, erlebten die Zuhörer im -samt Zusatzreihen - völlig besetzten Fürstensaal das «Gipfeltreffen» des außergewöhnlichen Klarinettisten Ralph Manno mit den renommierten Mitgliedern des Verdi-Quartetts und dem versierten Pianisten Hatem Nadim. Perlen der Kammermusik Mozarts, Bartoks und Brahms kamen auf diese Weise mit ausgefeilten Interpretationen zu farbenprächtiger Blüte.

Als Mozart das «Kegelstatt-Trio» schrieb, hatte er offensichtlich die Klarinette neu entdeckt und entfaltete gerade mit diesem Instrument in seinem Werk einen besonderen klanglichen Charme. Diesen nutzte Ralph Manno voll aus und gestaltete mit seinem musikalischen Einfühlungsvermögen eine sprudelnde Quelle voll Frische und Vitalität. Mozarts Musik erklang angenehm entspannt, luftig und elegant.

Daneben war aber auch reichlich Platz für die virtuose Klangschönheit der beiden anderen Instrumente. Der beseelte Dialog zwischen Bratsche (Karin Wolf) und Klarinette im Menuett wurde mit Unterstützung des Klaviers spannungsvoll ausbalanciert. Es war herrlich, wie Hatem Nadim am Piano mit Spielfreude die anrührenden Kantilenen des Rondeaux zum Erklingen brachte.

Eine phänomenale Intensität erreichte Manno mit seinem Instrument in der Komposition «Kontraste» von Béla Bartók. Schon im Verbunkos, dem alten ungarischen Tanz, bekamen die Register der Klarinette ihre Farbe, ob dies nun dunkle und drohende Schattierungen waren oder folkloristische Kolorite, die an den Csárdás erinnern. Die Eruptionen des ersten Satzes waren auch geprägt durch die gekonnten Intermezzi der Violine (Susanne Rabenschlag) sowie die Läufe und Einwürfe des Klaviers. Beruhigend wirkte der zweite Satz mit seinem stetigen Fluss im korrespondierenden Ensemble. Aufregend war der schnelle Sebes-Tanz, der wiederum unterbrochen wurde mit einer lydischen Melodie. Sie erforderte den Einsatz jeweils eines zweiten Instruments bei Violine und Klarinette. Wuchtig wirkte die Verschmelzung der Instrumente in den mächtigen Tutti-Kaskaden. Dafür Bravorufe und riesiger Beifall!

Gestalterische Souveränität offenbarte sich schließlich beim h-Moll Quintett von Brahms. Nuanciert wurden im ersten Satz die melodiösen Motive von den Künstlern entfaltet. Im Adagio nutzte Manno alle Möglichkeiten der Beweglichkeit und der Kantabilität der Klarinette aus und malte dabei unterstützt von der Violine auch eine große «zigeunerische» Szene. Fein geschliffen erklang das freundliche Andantino mit einem wirkungsvoll verklingenden Pianissimo. Im Finale schließlich schälten die Musiker, die sich bei den fünf Variationen in besonderer Weise präsentieren konnten, das Motto des Kopfsatzes immer mehr heraus und schufen einen ergreifenden Abgesang in der Coda. Der begeisterte Beifall war der Dank für ein kammermusikalisches Gipfelerlebnis.

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