Sonthofen / Oberallgäu
Fans feiern im Zug so heftig, dass Polizei eingreift

Es passierte auf der Heimfahrt vom Auftaktspringen zur Vierschanzen-Tournee. Eine Fan-Gruppe aus Bregenz feierte im vollbesetzten Zug zwischen Oberstdorf und Sonthofen den zweiten Platz des Austria-Skispringers Wolfgang Loitzl. Die Siegesfeier fiel so ausgiebig aus, dass sich andere Fahrgäste bedroht fühlten. Sie riefen die Polizei, die sich bei einem Zug-Stopp in Sonthofen die Randalierer griff. Das ging nicht ohne Handgreiflichkeiten aus, weswegen einer der Beteiligten nun vor dem Amtsgericht Sonthofen stand. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, so lautete die Anklage.

Doch der Vorfall des Dezember-Abends war auch trotz der Zeugenaussagen vor Gericht nicht lückenlos aufzuklären. Vor allem, was sich der 24-Jährige an diesem Tag alkoholisierte Skisprung-Fan geleistet hat, konnte nicht einwandfrei identifiziert werden. Hatte er die Polizisten angegriffen, als sie ihn aus dem Zug beförderten, um seine Personalien festzustellen? Und hatte er gar zu fliehen versucht, nachdem ihn die Ordnungshüter endlich aus dem Abteil herausbugsieren konnten? Jedenfalls landeten der Angeklagte und ein weiterer aggressiver Fan über Nacht in der Ausnüchterungszelle der Sonthofer Inspektion.

«Der Vernünftigste von allen»

«Ich war doch der Vernünftigste von allen. Da kamen auch schon die Polizisten hereingestürmt», rechtfertigte sich der 24-Jährige vor Richter Andy Kögl. Die Polizisten hätten ihn so auf den Boden gedrückt, dass er fast keine Luft mehr bekommen habe, fuhr er fort. Tatsächlich beschwerte sich die Fan-Gruppe hinterher auch in einer Internet-Botschaft über den Zugriff durch die Polizei. Weil plötzlich auch noch Beamte der Bereitschaftspolizei an den Ort des Geschehens vordrangen- sie waren unter anderem zur Verkehrsregelung eingesetzt - fühlten sich die Österreicher regelrecht umzingelt.

Ein Uniformierter, der vor Gericht als Zeuge aussagte, schilderte indes das Geschehen ganz anders als der Angeklagte. Auch ein weiterer Zeuge, vor zehn Monaten Fahrgast im Zug, gab eine vom Angeklagten abweichende Darstellung zu Protokoll. Danach hatte die Gruppe nicht nur herumgepöbelt und sich an der Zugausstattung vergangen, sondern auch andere Bahnfahrer massiv belästigt. Der Fahrgast als Zeuge: «Die Situation war bedrohlich».

Einer der beiden, die in die Ausnüchterungszelle expediert worden waren, hatte bereits einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 35 Euro akzeptiert. Der jetzt Angeklagte musste zur Hauptverhandlung erscheinen, weil er auf dem Memminger Weihnachtsmarkt schon einmal unangenehm aufgefallen war und unter offener Bewährung stand.

Dennoch kam er nun vor dem Kadi gnädig davon. «Das war ja dann doch nicht so heftig», schloss Richter Kögl aus der Beweisaufnahme. Der Richter stellte das Verfahren gegen den jungen Mann ein, wenn er binnen kürzester Frist eine Geldbuße von 250 Euro berappt.

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