Wohnungsmarkt
«Familie sucht bezahlbaren Wohnraum»

«Junge Familie sucht bezahlbaren Wohnraum» - «Ich, weiblich, berufstätig, suche dringend Zweizimmer-Wohnung» - «Alleinstehender Rentner mit Kater sucht Appartement im Erdgeschoss»: Der Immobilienmarkt in der Memminger Zeitung ist voll von Mietgesuchen. «Es wird weitaus mehr gesucht als angeboten», sagt Michael Ballentin, Vorstandsmitglied des Memminger Mietervereins, zur allgemeinen Situation auf dem Wohnungsmarkt.

Vor allem preiswerter Wohnraum im Zwei- bis Drei-Zimmer-Bereich sei Mangelware, fügt er hinzu. Dr. Hans Deng, Vorsitzender des örtlichen Haus- und Grundbesitzervereins, äußert sich ähnlich: «Die große Zahl an günstigen Wohnungen für Familien fehlt.» Die Lage spitzt sich laut Ballentin immer mehr zu: «Weil zu wenige Wohnungen gebaut werden. Sowohl von Privatinvestoren als auch von öffentlicher Hand.» Das sei aber nicht nur ein lokales Problem, sondern betreffe auch andere Regionen. Zur Situation in Memmingen sagt Ballentin: «Der steigende Bedarf mag am Zuzug liegen.» Denn die örtliche Wirtschaft floriere, die Stadt ziehe Arbeitnehmer an.

«Das liegt noch im Rahmen»

Die Nachfrage bestimmt den Preis: In den vergangenen Jahren mussten Mieter laut Ballentin höchstens 5,50 bis sechs Euro pro Quadratmeter hinblättern. Mittlerweile würden bis zu sieben Euro verlangt. «Aber auch das liegt noch im Rahmen», sagt Ballentin. «Im Vergleich zu anderen Städten ist es in Memmingen nicht teuer», bestätigt Deng. In Biberach beispielsweise, so der Anwalt, seien die Preise höher. «Dort ist die Nachfrage noch größer als bei uns.» Besonders beliebte Wohngegenden in Memmingen seien das Zentrum und der Westen der Stadt, so Ballentin. Hoch im Kurs stünden auch die Ortsteile Steinheim und Amendingen. Billiger als privater Wohnraum seien oft Angebote von Wohnungsbaugenossenschaften, betont Ballentin. «Aber hier muss man mit langen Wartezeiten rechnen.»

Im Landkreis würden die Mieten etwas niedriger liegen, so Ballentin. Aber auch im Unterallgäu sei es nicht ganz einfach, eine passende Bleibe zu finden: «Dort ist das Angebot ebenfalls knapp», sagt das Vorstandsmitglied des Memminger Mietervereins.

Wer sich für eine Wohnung interessiert, muss bei manchen Vermietern ein langwieriges Auswahlverfahren durchlaufen, so Ballentin. In vielen Fällen müssten Bewerber angeben, wie viel sie verdienen. Mit der Folge, dass sozial Schwache durch das Raster fielen. «Gerade auf dem privaten Markt ist es für Geringverdiener, Hartz-IV-Empfänger oder alleinerziehende Mütter schwierig, eine Wohnung zu bekommen.» Für die Schaffung von Wohnraum gebe es kein Patentrezept, so Deng: «Wird der Wohnungsbau gesetzlich gefördert, entstehen meist keine günstigen Wohnungen. Denn Neubauten sind generell teuer. Man müsste eher aus vorhandenem Baubestand preisgünstige Wohnungen schaffen.»

Wie berichtet, plant die Stadt ein Baugebiet Dobelhalde im Westen Memmingens. Dort sollen insgesamt rund 240 Wohneinheiten entstehen. Bislang ist es aber nicht gelungen, mit allen Grundeigentümern eine Einigung zu erzielen.

 

 

«Die Ansprüche an die Mieter sind gestiegen.»

Michael Ballentin, Vorstandsmitglied beim Memminger Mieterverein

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