Fahrlässigkeit oder Brandstiftung?

Immenstadt | pts | Ist der im Keim erstickte Brand in der Klosterkirche Immenstadt (wir berichteten kurz) auf die Brandstiftung durch einen Unbekannten zurückzuführen? Oder liegt Leichtsinn und Fahrlässigkeit eines Gotteshausbesuchers vor? Jedenfalls ist die Polizei Immenstadt auf der Suche nach einer Person, die vor Ausbruch des Feuers am Sonntagvormittag durch den Klostergarten gerannt sein soll.

Wie gestern gemeldet, war die Immenstädter Feuerwehr alarmiert worden, nachdem Beobachter eine starke Rauchentwicklung in der Kirche mitgeteilt hatten. Die mit vier Fahrzeugen ausgerückte Feuerwehr konnte den Schwelbrand zwar schnell löschen. Doch musste auch ein Teil der Empore abgetragen werden, um mögliche Glutnester ausschließen zu können.

Marienstatue aus Holz fing Feuer

Bisher steht laut Polizei fest, dass eine aus Holz geschnitzte Marienstatue Feuer gefangen hatte. Sie stand hinter einem Ständer mit Opferkerzen auf einem Podest. Ob nun eine brennende Kerze fahrlässigerweise zu nahe an der Madonnenfigur aufgestellt oder ob vorsätzlich gezündelt wurde, kann die Polizei derzeit noch nicht beurteilen.

Allerdings wurde laut Zeugen ein Mann beobachtet, der im fraglichen Zeitraum durch den Klostergarten davongerannt sein soll. Kommt er für den Brand in Frage? Die Polizei beschreibt ihn aufgrund von Zeugenaussagen so: 25 bis 40 Jahre alt, 1,70 bis 1,80 Meter groß, südländischer Typ, dunkle Haare.

Der Mann trug eine schwarze Jacke mit Kapuze, dunkle Jeans, braun-schwarze Schuhe und eine Baseballkappe mit weißer Schrift. Der Schaden, der auch die nötigen Kirchenmaler-Arbeiten berücksichtigt, wird von der Pfarrei auf 30 000 Euro geschätzt.

Trotz Zerstörung froh, dass nicht mehr passierte

Stadtpfarrer Anton Siegel ist trotz des Zerstörungswerks froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Wenn die Emporendecke aus Holz über der Madonna Feuer gefangen hätte, wäre es wohl um die aus der Barockzeit stammende Kirche schlecht bestellt gewesen. Erst vor zwei Jahren konnte man das 350-jährige Bestehen des sakralen Bauwerks feiern. Der Geistliche spricht von Betroffenheit unter den Gläubigen, weil die heilige Maria als ihre Fürsprecherin einen solchen Schaden genommen hat. Viele hätten regelmäßig vor der Statue gebetet und eine Opferkerze entzündet.

Vorerst muss das Gotteshaus geschlossen bleiben. Die regelmäßigen Messen dienstags bis freitags werden von der Klosterkirche in die benachbarte Pfarrkirche verlegt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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