Fahnenschwingen vor blitzsauberer Pfarrkirche

Von Etienne le Maire | Oberstaufen Ein Jubiläum war’s heuer zwar nicht - das steht beim Staufner Fasnatziestag erst in zwei Jahren wieder an - aber irgendwie doch ein besonderer Anblick: Fand der Festakt zum höchsten Staufner Feiertag - seit Jahrzehnten vor schmutzig-gelb-grauer Kirchenwand - erstmals wieder vor einer blitzsauberen Kulisse statt. Dass die nun wieder prächtige Pfarrkirche St. Peter und Paul nach der Generalsanierung wieder in strahlenden Farben prangt, wurde nicht nur von Fotografen und Kameraleuten anerkennend bemerkt. Ein fast blauer Himmel und der Neuschnee, der in der Nacht Häuser und Straßen sanft bezuckert hatte, trugen ihren Teil zu einem gelungenen Gesamtbild bei.

Nach altem Brauch schwang nach dem Umzug durch den Ort Manfred Leukert - heuer zum zweiten Mal mit dem Fähnrichs-Amt betraut - die Fahne vor der Kirche. Dann rief er vor den Reihen der Altcharchierten, der Altfähnriche, der ledigen Burschen und der 'Föhla' den Hintergrund des Feiertags in Erinnerung: Nachdem die Pest 1635 in Staufen 700 Seelen dahingerafft hatte, schenkte Graf Hugo von Königsegg-Rothenfels den jungen Burschen eine Fahne und befahl, sie im frohen Festzug durch den Ort zu tragen, um wieder Lebensfreude zu wecken. Dass das - wie man heute sagt - nachhaltig gelang, zeigten die Staufner auch heuer wieder: Nach dem Gedenkakt zog man zu Frühschoppen und Française. Es folgten Ma- und Wibertour, gemeinsamer Tanz im Café am Markt und schließ- lich der Festtanz im Kurhaus. Vorher starb der Butz nach zehn Stunden langem Springen und Besenschwingen durch den Ort seinen symbolischen Tod am Kirchplatz.Wie immer ist an diesem Tag, an dem allerorten sonst die Narren in verrückter Verkleidung toben, in Staufen nur der Butz maskiert: Im bunten alemannischen Fasnachtsgewand, begleitet vom Ruf 'Butzbä juhö!' springt und tanzt er den ganzen Tag durch den Ort, reinigt ihn mit seinem Besen von der Pest, nimmt die Seuche auf sich - und bricht schließlich folgerichtig um sechs Uhr abends symbolisch tot zu- sammen.

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