Kaufbeuren
Fäkalien in der Wertach

Die Wertach bei Kaufbeuren könnte ein günstiges Naherholungsgebiet mit Kiesbänken sein. Das meint Peter Konrad, Kaufbeurer Fischereivereinsvorsitzender. «Stattdessen ist sie verbaut und vernachlässigt.» Eine natürliche Fischpopulation gebe es kaum und der Flussgrund sei beeinträchtigt, weil ihn der Kies wegen der Fließgeschwindigkeit blank bohnert. Aber die Krönung ist für Konrad ein Regenüberlaufrohr (siehe Wortweiser) im Süden der Stadt: Bei Starkregen fließen im Bereich zwischen dem Hirschzeller Wehr und der Bahnbrücke zum Beispiel Fäkalien in den Fluss. «Alles, was die Leute so ins Klo schmeißen.» Unappetitliche Toilettenpapierfahnen finden sich im Bereich der Austrittstelle des Rohrs. «Dazu kommen noch Restbestände der Straße - wie Schwermetalle.»

Konrad selbst hat schon erlebt, wie bei Starkregen das Überlaufrohr «ansprang» und seinen braunschmierigen Erguss in die Wertach spie. «Wenn man sich nun vorstellt, dass dort später Kinder spielen», meint Konrad erbost. Seit 50 Jahren habe es das nicht gegeben, berichten Altfischer.

Die Geschichte des kritisierten Rohrs begann vor etwa vier Jahren, als ein Neubaugebiet in der Schelmenhofstraße entstand und dabei die Kanäle saniert wurden. «Da hieß es, die Regenwasserversorgung sei gewährleistet, eine zusätzliche Belastung der Wertach nicht gegeben», erzählt Konrad. Doch offenbar scheint das Kanalnetz nach dem Bau des Neubauviertels doch nicht ausreichend dimensioniert. Vor zweieinhalb Jahren begann nämlich immer wieder der unansehnliche Überlauf von Abwasser in den Fluss.

Dazu kam: Abwasser aus dem Bereich Füssener Straße wird seit der Neugestaltung der Straße ebenfalls über das - ohnehin wohl nicht ausreichende - Netz der Schelmenhofstraße geleitet.

Mehrfach interveniert

Konrad habe mehrmals bei der Stadt interveniert. Aber er sei nur hingehalten worden. «Denn der Dreck läuft immer noch in die Wertach. Das Problem zu haben, ist eine Sache. Aber nichts zu tun, ist eine Unverschämtheit.»

«Das Problem an dieser Stelle ist uns bekannt, ein Umbau der Entlastungsanlage ist schon länger vorgesehen», sagt Ulrich Hofmair, Leiter der städtischen Tiefbauabteilung. Größere Kanalrohre, um die Regenüberlaufrohre überflüssig zu machen, seien aus technischen Gründen aber nicht einsetzbar. Das Ganze sei zudem ein finanzielles Problem.

So bleibe nur, die Kanalrohre allmählich auf den heutigen technischen Stand umzubauen und mit Filtern auszurüsten, denn in Kaufbeuren gebe es noch mehr problematische Einläufe. An der Schelmenhofstraße wollte Hofmair dies zwar schon vor Längerem umbauen lassen, aber er wartet auf neue Berechnung nach den heutigen technischen Vorschriften.

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