Fäden in der Hand halten und Gas geben

von Andreas Filke | Marktoberdorf Es ist gegen 18 Uhr. Am runden Tisch im Esszimmer sitzt eine halbe Fußball-Mannschaft, davon vier 'Nachwuchskicker'. Sie nimmt sich Zeit fürs gemeinsame Abendbrot, ehe es eine Stunde später für die vier Kinder von Daniela und Markus Singer ins Bett geht. Diese Momente lässt sich der Bürgermeister-Kandidat der CSU nicht entgehen - außer es ist eine Sitzung. Familie, sagt er, sei ihm sehr wichtig. Überhaupt der Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

Drei Kandidaten bewerben sich um den Bürgermeister-Stuhl im Rathaus. Derzeit präsentieren sie sich bei diversen Wahlveranstaltungen. Aber wie sind sie privat? Unsere Zeitung besuchte sie einmal zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung.

Er brauche Leben um sich herum - was er mit vier Kindern auch reichlich hat. Deshalb sei für ihn ein Strandurlaub, wo er sich nur von der Sonne braten lässt, ein Gräuel. Dann lieber am Gardasee radeln, Erlebnisurlaub in Australien oder Ferien mit den Kindern auf einem Bauernhof.

Vielleicht ist das ein Grund, weshalb er die eher nüchterne Atmosphäre in der Bank mit der Berufsschule in Kaufbeuren wechselte, wo er seit fast fünf Jahren als Studienrat unterrichtet. Die 17 Kilometer von zu Hause dorthin bewältigt er zu Fuß. Zumindest eine Strecke, bei intensivem Training läuft er auch hin und zurück. Etwa eine Stunde pro Tag räumt er dem Marathon-Sport ein, 'das muss reichen'. Das genüge, um sich zu entspannen, Frust abzubauen, der sich manchmal aufgestaut hat. 'Da kann ich mich dann so richtig abreagieren.'

Wobei die verdrießlichen Momente in der Politik eher selten seien. Gleichwohl er wisse, dass er mit der Art seines Auftretens nicht jedem gefalle: 'Meine Aussagen sind klar, jedoch nicht immer bequem', beschreibt er sich. Auch deshalb setze er sich lieber mit Kritikern auseinander als mit 'Schulterklopfern'. Denn Kritik biete die Möglichkeit des Lernens. Dabei genieße Ehrlichkeit Priorität: 'Man muss und kann klare Aussagen erwarten. Erst das macht Politik kalkulierbar.'

Nach einer Periode im Stadtrat glaubt er das Rüstzeug für den Posten des Bürgermeisters zu besitzen, zumal er ein gutes Team um sich herum wisse. Mit 37 Jahren sei er nicht zu jung für den Posten, sondern 'gerade im richtigen Alter, um Gas zu geben'. Dabei ziele er überhaupt nicht darauf ab, 'immer auf Gegenkurs zu gehen, wenn gute Vorschläge da sind'.

Respekt voreinander

Prinzipiell gehe es darum, zwar manchmal hart um eine Sache zu kämpfen, aber nicht den gegenseitigen Respekt zu missachten. Dabei zählt sich Singer zu denjenigen, die gern die Fäden in der Hand haben, sei es als Organisator von Sportveranstaltungen oder - so sein Ziel - als Bürgermeister. Dafür muss er dann in Kauf nehmen, dass das Lesen noch kürzer kommt als jetzt schon. So schön es mit Kindern sei, so schön sei es auch, wenn er - nach 19 Uhr - die Ruhe genießen könne. Wobei er am nächsten Morgen selbst in den Ferien selten länger als 8 Uhr im Bett bleibt: Schließlich wolle er wieder 'Gas geben'.

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