Silvester
Fackelwanderung, Spiele und Lieblingslieder

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Feines Essen, vielleicht ein bisschen abergläubisches Bleigießen und später Sektschäumen mit Feuerwerk: So stellen sich wohl viele den letzten Tag des Jahres vor. Aber wie geht der Jahreswechsel in Pfarrhöfen vonstatten? Wir haben uns in Stadt und Land umgehört. Und siehe da: «So viel anders müssen unsere Silvesterbräuche gar nicht sein. Wir Pfarrer sind auch nur Menschen», schmunzelt Jens Cleve, Pfarrer der evangelischen Johannesgemeinde in Kempten.

Eine fröhliche Atmosphäre herrscht im Pfarrhaus. Tobias (3) turnt ausgelassen herum, während seine Schwester Johanna (5) gerade bei einer Freundin weilt. Die Eltern Jens und Julia Cleve teilen sich die Pfarrstelle. Heute ist der Ehegatte dran, drei Gottesdienste (auch im Seniorenzentrum und in Buchenberg) sind zu halten.

Danach gibts noch was Besonderes: Gegen 18 Uhr werden die Gläubigen mit Fackeln zum Jägerdenkmal marschieren. Dort wird man mit den katholischen Pfarrgemeinden St. Franziskus und St. Anton eine kleine Andacht halten und mit einem Glas Sekt anstoßen. Anschließend folgen die Cleves der Einladung einer Kemptener Familie. Raclette sei dort angesagt. Natürlich dürfen sich vor allem die Kinder auf lustige Spiele freuen. Der Rest sei wie bei anderen auch - allerdings ohne Böller.

Stattdessen gibt es ein dankbares Innehalten mit Blick auf 2010. Das neue Jahr sieht die Pfarrerfamilie mit Optimismus: «Wir werden an Gottes Hand durchs neue Jahr gehen».

Feuerwerk und Glockengeläut

Gelebte Ökumene gibt es natürlich auch auf dem Lande. In Wiggensbach lädt Pfarrer Gebhard Gomm die evangelischen Christen zum Jahresabschluss-Wortgottesdienst. Den hält Gomm diesmal allein, da sein bisheriger evangelischer Kollege eine andere berufliche Aufgabe übernommen hat. Üblicherweise wird der Wiggensbacher Pfarrer an Silvester die Jahresbilanz vortragen. 24 Hochzeiten stehen da drin. Und den 42 Taufen stehen 33 Verstorbene gegenüber. Natürlich wird der Geistliche den Gläubigen nochmals danken, weil sie sein 40-jähriges Priesterjubiläum so engagiert begleitet haben.

Am meisten freut sich Gomm über die zahlreichen neuen, vor allem jungen Mitarbeiter in der Pfarrgemeinde. Einige von ihnen wird er heute treffen: Wenn Hochwürden das Fondue und ein paar Gesellschaftsspiele mit Pfarrhausfrau Hildegard Miller abgeschlossen hat, wird er sich unter die Familien im Kolpingsheim mischen. Und ihnen beim Feuerwerk hinter der Kirche «zur Seite stehen». Freilich: Geballert wird erst, wenn die acht Glocken des altehrwürdigen, romanischen Turmes in Schwung gekommen sind. Das 15-minütige Geläut ist für den Geistlichen alljährlich eine «wunderbare Begrüßung» des neuen Jahres.

Meditation und Besinnlichkeit

Auch Prodekan Roland Buchenberg mag diesen Segensgruß der Glocken. Der Waltenhofener Pfarrer zählt eher zu den Menschen, welche die letzten Stunden des Jahres gerne für Meditation und Besinnlichkeit nutzen. Gestärkt durch eine «bodenständige Brotzeit» will er in aller Ruhe über die persönliche Bilanz, aber auch über die der Pfarrgemeinde und der ganzen Kirche nachdenken. Da gebe es, so der Geistliche, immer viel Grund zur Dankbarkeit - beispielsweise gegenüber den ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Musikalischer Ausklang

Aber auch weniger Gelungenes wolle er vor die Krippe tragen. Und natürlich hoffen, dass die Menschen nach den Turbulenzen in der Diözese ein Stück Vertrauen zurückgewinnen. Gemeinsam wieder eine «erfüllte Zeit» erleben - dieser Buchtitel von Notker Wolf ist für den Prodekan Wunsch und Auftrag zugleich.

Den musikalischen Ausklang des alten Jahres besorgt Buchenberg selbst: Neben dem Lichterschein der Kerzen wird er auf dem Akkordeon seine liebsten Weihnachtslieder spielen. (mr)

 

Mit Freunden verbringt das Pfarrerehepaar Jens und Julia Cleve den Silvesterabend. Zuvor gibt es mit den Gläubigen der katholischen Pfarrei St. Franziskus eine Fackelwanderung zum Jägerdenkmal. Fotos: Mayr

 

Mit Akkordeonspiel begrüßt Prodekan Roland Buchenberg in der Silvesternacht das neue Jahr.

 

Glockengeläut ist für Pfarrer Gebhard Gomm eine wunderbare Begrüßung des neuen Jahres.

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