Vortrag
Extrembergsteiger Thomas Huber erzählt in Kaufbeuren von seinen Abenteuern

Steig oder stirb, weitergehen oder krepieren, Sieg oder Niederlage – all diese Metaphern finden sich in der Alpinliteratur für erreichte und verfehlte Ziele am Berg. Doch die Protagonisten des Extremkletterns, des Höhenbergsteigens und all der Randdisziplinen des Alpinismus erzählen immer häufiger davon, dass Verlieren und Gewinnen zusammengehören und erst die persönliche und sportliche Niederlage, die vielen Anläufe den Menschen weiterbringen. So auch Thomas Huber, die eine Hälfte der 'Huberbuam'. Die Brüder aus Oberbayern gehören zu den besten Bergsteigern der Welt, machen mit extrem schnellen und schwierigen Klettereien von sich Reden. Vor 400 Besuchern im Kaufbeurer Stadtsaal erzählte der 45-Jährige von seinen Abenteuern.

Ihn, der sich selbst als unruhigen Geist bezeichnet, interessiert vor allem die emotionale Beziehung zwischen Berg und Mensch – und das Glück, das sich im 'Vakuum der Zeit' findet. So hat er auch seinen Vortrag genannt, in dem er den Bogen schlägt von seinen Klettereien in den Dächern der Drei Zinnen samt Schnellabstiegen mit dem Fallschirm bis zum Durchstieg einer 900 Meter hohen Granitwand im Karakorum.

Huber reduziert seine Schilderungen aber nicht auf die brutalen Anstrengungen und psychischen Belastungen. Er bettet die beeindruckenden Filme, Fotos und Erzählungen ein in die Dimension Zeit, der 'einzig konstanten Veränderung in unserem Leben'. Und doch gibt es Momente, in denen sie scheinbar stehen bleibt. 'In diesem Vakuum erlebt man eine Freiheit und Freude, die alle Grenzen sprengt', so Huber.

Wie zum Beweis lässt er seine Zuhörer mit Bildern und launigen Kommentaren teilhaben an einer wochenlangen Expedition der 'Huberbuam' auf die Zacken eines im ewigen Eis versunkenen Granitgebirges der Antarktis. Die klettertechnische Schwierigkeit, an sich schon unvorstellbar, schrumpft zu einer Nebensache in dieser lebensfeindlichen Umgebung am Ende der Welt bei bestialischen 40 Grad unter Null. 'Der Weg zu diesem Glück ist oft steinig', sagt er.

Schade, dass Thomas Huber nicht auch von seinem bedrohlichen Nierentumor erzählt hat, der ihn Monate ans Krankenbett gefesselt hat. Das ZDF gab diesem Thema kürzlich mit einem bemerkenswerten Film über die Brüder Raum.

Es wäre eine weitere spannende Facette des menschlichen Daseins gewesen, das sich meistens nicht in abweisenden Wänden und auf hohen Gipfeln abspielt: die Berge ganz klein und die Herausforderung trotzdem riesengroß.

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