Füssen
Exquisites Sommertheater

Ein Sturm des Beifalls brach aus im Fürstensaal nach dem großen Schlusschor der Kantate «Der zufriedengestellte Aeolus» (BWV 205) und so galt die Wiederholung des «Vivat vivat!» dem gesamten Ensemble um Albert Frey. Mit dem 3. Brandenburgischen Konzert in reiner Streicherbesetzung hatte der Johann Sebastian Bach gewidmete Abend begonnen. Die Gruppen der jeweils drei Violinen, Violen und Celli konzertierten so elegant miteinander, dass das Publikum im voll besetzten Saal hingerissen war.

Nach dem rasanten Wettstreit galt es, das gesamte Orchester «sine nomine» auf dem Podium unterzubringen, für den Chor und auch noch für die Solisten ein Plätzchen für die Kantate zu finden. Hübsch ausgedacht war der Dialog zwischen Herrn Fürstensaal und Frau Kantate (Julia und Ulrich Kainzbauer) als Vorstellung der engen Beziehung zwischen dem Raum voller allegorischer Darstellungen und dem zeitgleich entstandenen «Dramma per Musica» mit den Figuren der griechischen Mythologie. Unter der Windrose spielte sich das exquisite Sommertheater ab, das die Leipziger Studenten einst bei Herrn Bach zum Namenstag des Professors August Müller bestellten. Der war nicht nur ein angesehener Gelehrter, er war auch überaus beliebt und humorvoll. Dass der Text des Dichters, der sich Picander nannte, Patina angesetzt hat, macht die prachtvolle Musik vergessen.

Die gewaltigen Chorsätze am Anfang und am Schluss umrahmen die Orchesterpassagen, die festliche Huldigung der Bläser, liebliche Streicher- und Flötenklänge zum sanften Zephyr, das virtuose Solo der ersten Geigerin Sabine Lier (unter anderem Mitglied der Bamberger Symphoniker). In dem schwierigen, selten aufgeführten Werk glänzten die Gesangssolisten in den Rezitativen und Arien mit staunenswerten Koloraturen. Georg Thauern (Bass), der wilde Aeolus, sollte zum Lobe des «August» nicht schon die Herbststürme loslassen. Stefan Heidweiler (Tenor) als sein Gegenpart, der milde Zephyr, besänftigte ihn mit Sabrina Tiedtke (Alt) als Pomona, Göttin des Obstsegens. Und Heike de Young (Sopran), Göttin der Weisheit und der Künste Pallas Athene, konnte schließlich zum Festmahl laden.

Höchste Bewunderung galt der Arbeit von Albert Frey für das, was er mit Musikern aus der Region auf die Bühne brachte und mit Hingabe dirigierte. Die Kantate mit dem Auftreten des Gottes der Winde persönlich stellte viel mehr als eine Abrundung des Festivals Vielsaitig dar, sie wurde zum Ereignis.

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