Streit
Ex-Vorstand Schlichtner verklagt Kliniken

Im August 2009 stellten die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren Dr. Susanne Schlichtner als Vorstand ein. Sie statteten sie mit einem Fünfjahresvertrag aus. Doch schon ein Jahr später entschied der Verwaltungsrat, Schlichtner zu entlassen und einen neuen Vorstand zu installieren. Dass sie das nicht einfach so hinnehmen würde, war zu erwarten. Nun reichte Schlichtner Klage beim zuständigen Landgericht in Kempten ein. Sie will demnach ihren Fünfjahresvertrag erfüllt haben.

Ein Sprecher der Kemptener Justiz bestätigte gegenüber der AZ den Eingang der Klage. Sie wurde vor Kurzem dem Kommunalunternehmen zugestellt, das innerhalb einer gewissen Frist darauf reagieren könne. Laut Verwaltungsratsvorsitzendem Stefan Bosse haben die beauftragten Anwälte bereits eine Antwort verfasst und an das Landgericht gesandt.

Nach der Kündigung Schlichtners hatte Bosse erklärt, man wolle versuchen, sich außergerichtlich zu einigen. Das scheiterte allerdings. Deshalb muss nun aller Voraussicht nach das Landgericht ein Urteil fällen. Mit dem Prozess rechnet ein Sprecher nicht vor Ende Dezember/Anfang Januar. Gekündigt worden war Schlichtner, weil sie nach Einschätzung des Verwaltungsrats nicht in der Lage war, die Kliniken nach seinen Vorstellungen zu führen. Unter anderem war es ihr nicht gelungen, den Jahresabschluss für 2009 fristgerecht vorzulegen.

Zudem schaltete der Verwaltungsrat wie berichtet die Staatsanwaltschaft ein, weil an Mitglieder der Führungsetage sehr hohe Fahrtkosten bezahlt wurden. Möglicherweise habe dies Schlichtner zu verantworten, hieß es. Laut Staatsanwältin Katrin Eger gibt es dazu noch keine neuen Erkenntnisse.

Derweil läuft die Suche nach einem Sanierer für die fünf Kliniken in Füssen, Obergünzburg, Marktoberdorf, Kaufbeuren und Buchloe weiter. Laut Bosse finden am morgigen Mittwoch erste Sondierungsgespräche mit den Bewerbern auf die Ausschreibung statt. Zudem kommt am Freitag, 12. November, der Verwaltungsrat zusammen, um endlich über den Jahresabschluss 2009 zu befinden. Dieser liege wohl bei 4,9 Millionen Euro minus, berichtet Bosse weiter. Unter der Führung von Schlichtner war auch schon von sieben Millionen Euro die Rede.

Heuer wohl höheres Defizit

Doch inzwischen stellte sich laut Bosse heraus, dass dabei Kosten aus dem Jahr 2010 unter 2009 verbucht worden seien. Weshalb nun letztlich für 2009 weniger Geld zu berappen sein dürfte. Allerdings weist Bosse zugleich darauf hin, dass der Wirtschaftsplan für 2010 voraussichtlich nicht eingehalten werden könne. Die Prognose lag bei minus 5,75 Millionen Euro. Für dieses Jahr sei also wieder mit einem höheren Defizit zu rechnen. Bosse betont, dass mit der Hin- und Herrechnerei von Zahlen nun Schluss sein müsse. Es gebe derzeit ein strukturelles Defizit von durchschnittlich etwa sechs Millionen Euro im Jahr. Um davon wegzukommen, bedürfe es einer Sanierung des Unternehmens.

Diese soll in Zusammenarbeit mit dem seit August installierten Vorstandsvorsitzenden Ludwig Lederle und Vorstand Dr. Joachim Klasen der nun gesuchte Sanierer stemmen. Wer den Auftrag erhält, soll laut Bosse in einer Verwaltungsratssitzung am 26. November entschieden werden.

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