Ex-Freundin mit dem Tode bedroht

Sonthofen/Oberallgäu | pts | Sogar der Verteidiger nahm während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Sonthofen seinen augenscheinlich nur mühsam belehrbaren Mandanten mehrmals ins Gebet. Richter und Staatsanwältin waren wegen des Angeklagten reichlich aufgebracht. Schließlich wurde der 55-jährige Delinquent nach dem Urteil von 14 Monaten Gefängnis ohne Bewährung mit Handschellen von zwei Polizisten abgeführt, direkt ins Gefängnis. Dort sitzt er sowieso schon eine andere Strafe ab.

'Über ein Jahr lang Psychoterror' hielt der Strafrichter dem Mann mit dem dicken Vorstrafenregister vor. Der Psychoterror war gegen die frühere Freundin des Angeklagten gerichtet. Er schrieb ihr, wie in der Beweisaufnahme festgehalten wurde, aufdringliche Briefe auch aus dem Knast, als die Frau längst mit ihm Schluss gemacht hatte. Er attackierte sie mit obszönen SMS-Botschaften, lauerte ihr auf und drohte ihr, sie umzubringen.

'Stalking' nennt man mittlerweile derlei Bedrängnis eines anderen, angelehnt an einen Begriff aus der englischen Sprache (Wortweiser). Die Anklageschrift hätte durchaus auf 'Stalking' oder Nachstellung lauten können, was nach einem neuen Gesetz bis zu drei Jahre Haft nach sich ziehen kann. Eher abgemildert beschied sich die Anklagebehörde mit dem Strafvorwurf der 'Bedrohung'. Ansonsten sprangen Staatsanwältin und Richter Andy Kögl in der mündlichen Verhandlung keineswegs gnädig mit ihrem 'alten Bekannten' um.

'Ich stech‘ dich ab!' und 'Ich schieß‘ dich eines Tages vom Balkon herunter!' - das Vokabular des Mannes gegenüber der Ex-Partnerin schockte die Frau so tief, dass sie auf dem abendlichen Nachhauseweg von der Arbeit Polizeischutz anfordern musste. Das Schloss an der Wohnungstür hatte sie längst ausgewechselt. Nach Telefonanrufen ihres ehemaligen Freundes verbarrikadierte sie die Wohnung.

Auf Liebesbeteuerung, die sie zuletzt immer noch erreichten, kann sie verzichten. Die Frau, deren Angst selbst im Gerichtssaal greifbar war, zum Richter: 'Ich möchte, dass einfach nur noch Ruhe ist'. Konfrontiert mit all den Anschuldigungen wollte sich der Mann auch zum Unwillen seiner Rechtsvertretung als Unschuldslamm geben. Erst als ihm nach mehreren Störungen der Zeugeneinvernahme der Richter mit einer zusätzlichen Ordnungsstrafe drohte ('Sie halten jetzt die Klappe!') lenkte der Angeklagte ein. 'Ich hab’s kapiert. Die Frau lass’ ich in Ruhe.'

Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung, wie es der Verteidiger als 'Warnschuss vor den Bug' erbeten hatte, lehnte der Richter ab. Er folgte mit seinem Urteil dem von der Staatsanwältin geforderten Strafmaß.

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