Ottobeuren
«Es war, als hätte jemand den Schalter umgelegt»

Heute Abend knallen überall auf der Welt die Sektkorken. Menschen stoßen auf das neue Jahr an und lassen die vergangenen zwölf Monate Revue passieren - Monate, in denen kein Thema die Schlagzeilen so dominiert hatte wie die Weltwirtschaftskrise. Die Auswirkungen waren auch in unserer Region spürbar. Firmen kamen in Schwierigkeiten und meldeten Kurzarbeit an. Viele Beschäftigte haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Für einige Arbeitnehmer wurde diese Furcht zur bitteren Realität. Auch ein 45-jähriger Ottobeurer musste diese Erfahrungen machen. 13 Jahre lang arbeitete der gelernte Dreher in der Metallverarbeitung für einen Lohnfertiger aus Memmingen. Am 10. Juli erhielt er von seinem Arbeitgeber die Kündigung.

Arbeitsanfall war kaum zu bewältigen

Dabei ging es der Firma im Herbst 2008 noch sehr gut. «Wir hatten Arbeit bis zum Abwinken», erklärt der Vater von drei Kindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Er habe damals sogar auf einen Teil seines Urlaubs verzichtet, da der Arbeitsanfall sonst kaum zu bewältigen gewesen wäre. «Es war sogar geplant, dass ich das Unternehmen als Geschäftsführer leiten soll.» Doch mit einem Schlag nahmen die Aufträge ab. «Es war, als hätte jemand einfach den Schalter umgelegt», sagt der 45-Jährige und schüttelt mit dem Kopf. Im Januar 2009 meldete seine Firma Kurzarbeit an. Abgesehen von einer kurzen Zwischenphase im März war der Ottobeurer die meiste Zeit zu Hause, da es keine Arbeit mehr gab. «Ich hatte so ein komisches Gefühl im Bauch und habe mich ständig gefragt, ob das wohl gut geht.»

Mittlerweile bezieht er Arbeitslosengeld, seine Frau arbeitet halbtags als Büroangestellte. Das gemeinsame Einkommen ist um ein Drittel zurückgegangen. «Das tut richtig weh», sagt der Ottobeurer. An allen Ecken und Enden muss gespart werden. Gekauft werden nur die notwendigsten Lebensmittel. Besonders die Kinder hätten unter der neuen Situation zu leiden. «Es ist schon hart, wenn man ihnen im Sommer nicht einmal ein Eis kaufen kann», fügt seine Ehefrau hinzu. An Kino, Ausflüge oder einen gemeinsamen Urlaub sei gar nicht zu denken. «Wir haben ihnen erklärt, warum das alles derzeit nicht möglich ist. Aber Wünsche kommen bei den Kindern natürlich immer auf.»

Darüber hinaus müssen die monatlichen Raten für das Einfamilienhaus beglichen werden. An einen Umzug in eine kleinere Wohnung denkt das Ehepaar derzeit nicht. «Bei einer fünfköpfigen Familie ist die Miete wohl nicht viel billiger», schätzt der 45-Jährige. Wohngeld hat die Familie bereits beantragt, die Gebühren für den Kindergarten werden vom Landratsamt bezahlt. «Wenigstens läuft unser Auto noch ganz gut», so der Ottobeurer.

Zu Hause lastet ein «enormer Druck»

Seitdem er zu Hause sitzt, lastet ein «enormer Druck» auf ihm. «Schließlich habe ich bislang immer den Hauptanteil der Einnahmen mit nach Hause gebracht.» Beinahe täglich sucht er im Internet nach Firmen in der Region, bei denen er sich bewerben könnte. «Doch gerade in der Metallbranche haben fast alle Unternehmen Kurzarbeit angemeldet und dürfen daher nicht einstellen.

» Auch die Arbeitsagentur hat dem Familienvater bisher nicht helfen können. Resigniert hat der 45-Jährige dennoch nicht. Sein Vorsatz für das neue Jahr: Alles daransetzen, um möglichst schnell wieder Arbeit zu finden, damit er und seine Familie an Silvester 2010 auf ein glücklicheres Jahr zurückblicken können.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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