Maierhöfen / Oberreute
«Es passiert nicht mehr viel»

Von der Euphorie ist nach zehn Jahren wenig geblieben: Stolz nennen sich zwar noch heute an den Ortseingängen Maierhöfen und Oberreute die ersten blinden- und sehbehindertenfreundlichen Urlaubsorte Deutschlands, doch neue Stammgäste konnten kaum gewonnen werden. In diesem Jahr kamen bislang nur wenige Gäste aus der umworbenen Zielgruppe.

Von Ministerium gefördert

Gefördert vom Bundeslandwirtschaftsministerium und begleitet von der Tourismus- und Umweltberatung Fotour starteten Maierhöfen und Oberreute 1999 in ein Projekt, das beiden Orten neue Gäste bringen sollte. Die teilnehmenden Vermieter besuchten Schulungen und bei anstehenden Umbauten wurde auf die speziellen Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten Rücksicht genommen.

Spezielle Lampen und manches Geländer mehr wurden eingebaut. Bei der Möblierung wurde darauf Rücksicht genommen, dass offene Regale für Sehbehinderte sinnvoller sind als Schränke. Reliefs von Ferienwohnungen und ihrer Umgebung wurden gefertigt. Mancher Vermieter ließ sich vom Blindenbund in Kempten beraten. Informationen wurden auf Kassette gesprochen. Das Engagement fand Beachtung.

2002 erhielten beide Gemeinden dafür den bayerischen Innovationspreis, der mit 10000 Euro dotiert war. Das Geld setzten Maierhöfen und Oberreute für Werbung ein. Sogar Radio-Spots wurden geschaltet.

2000 Übernachtungen 2001

Die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten. 2001 verbuchte Maierhöfen rund 2000 Übernachtungen. Spezielle Probe-Wochenenden wurden gemeinsam mit Fotour veranstaltet. Eine Übernachtung zahlte das Unternehmen, eine der Vermieter. So konnten Blinde und Sehbehinderte das Angebot testen.

Doch Elfriede Fink vom Heuhof Fink in Oberreute-Zellers stellt inzwischen fest: «Einen Ansturm gab es nur bei diesen kostenlosen Wochenenden». Die erhoffte Mund-Propaganda blieb aus. Auch Stammgäste aus dieser Zielgruppe konnte sie nicht gewinnen. So ist ihr Fazit der Aktion eindeutig: «Es passiert nicht mehr viel».

Als einen der Gründe hat sie ausgemacht, dass vor Ort eine Betreuungsperson erforderlich sei. Gute Erfahrungen hat sie daher mit Gruppen, die mit Betreuern anreisten. «Doch die machen jedes Jahr an einem anderen Ort Urlaub», so Elfriede Fink. Beim Heuhof Fink stand seinerzeit ohnehin ein Umbau an, unnötige Investitionen gab es daher nicht.

Ohne Begleitperson schwierig

Auch Petra Hartmann machte ähnliche Erfahrungen. «Ohne Begleitperson finden sich die Sehbehinderten außerhalb des Hauses schlecht zurecht». Sei eine Begleitperson dabei, sei letztlich überall Urlaub möglich. Insgesamt hat sie positive Erfahrungen mit den blinden und sehbehinderten Gästen gemacht: «Sie waren alle nett. Aber es forderte viel Zeit». Auch bei ihr standen Umbauten an, bei denen sie die Kriterien berücksichtigt hat. Bei Bianca Buhmann im Gästeamt Oberreute treffen zwar noch Anfragen aus der umworbenen Zielgruppe ein. Doch aufgrund der insgesamt recht geringen Nachfrage verzichtet der Ort in Absprache mit den Vermietern auf spezielle Werbung. Hinweise finden sich daher nur noch im Gastgeberverzeichnis und auf der Internetseite der Gemeinde. In Maierhöfen wirbt mancher Gastgeber nicht mehr mit dem Blindenlogo.

Doch «ganz gestorben ist das Projekt nicht», so Gästeamtsleiterin Christina Rist. So beherberge der Ferienclub Maierhöfen jedes Jahr Blindengruppen. Und auch andere Vermieter konnten Stammgäste gewinnen.

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