Einsatz
«Es lohnt sich, Menschen zu helfen»

Im ländlichen Bereich kann es schon mal 15 Minuten dauern, bis Notarzt und Rettungswagen eintreffen. Für Patienten, die Hilfe wegen eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder eines Unfalls brauchen, kann diese Zeit tödlich sein.

Gut, dass es seit zwölf Jahren auch im Oberallgäu sogenannte «First Responder» (Fachleute, die ehrenamtlich Erste Hilfe leisten) gibt. Gruppen sind unter anderem in Muthmannshofen (Bayerisches Rotes Kreuz) und in Dietmannsried (Johanniter Unfallhilfe) aktiv.

Der Dienst wird häufig in Anspruch genommen, statistisch gesehen nördlich von Kempten fast täglich, denn 2010 war die Dietmannsrieder Gruppe (zuständig auch für Haldenwang-Börwang, Altusried und Lauben-Heising) 234-mal im Einsatz, 72-mal wurden die Muthmannshofener (sie sind auch für Frauenzell und Kimratshofen tätig) gerufen. In der Regel treffen sie vor dem Rettungsdienst ein, verkürzen so bei einem Notfall die therapiefreie Zeit - das kann Leben retten.

Atemstillstand

Im Oktober vergangenen Jahres piepste beispielsweise der Meldeempfänger von Frank Schönmetzler in Muthmannshofen an einem Freitagabend. Bei der Leitstelle war ein Notarzteinsatz in Muthmannshofen angefordert worden.

Als «First Responder» düsten Gruppenleiter Frank Schönmetzler und seine Kollegin Irene Lichtblau in ihrem Einsatzfahrzeug mit Martinshorn in ein Privathaus nach Muthmannshofen. Die 60-Jährige Patientin war bewusstlos geworden, Atmestillstand trat ein. Der Ehemann, so erzählt Frank Schönmetzler, habe mit Herzdruckmassage seine Frau reanimiert, die «First Responder» aus Muthmannshofen leisteten vor Ort zusätzlich schnelle Erste Hilfe mit dem Defibrillator, bis der Notarzt eintraf. «Die Frau ist inzwischen wieder fit,» weiß Schönmetzler. «Das ist ein gutes Gefühl.»

Herzinfarkt und Schlaganfall stehen in der Liste der Erste-Hilfe-Leistungen der ehrenamtlich tätigen Fachleute ganz vorne, gefolgt von Knochenbrüchen und Schnittverletzungen. Neun Frauen und Männer (vorwiegend Sanitäter und Rettungssanitäter) sind derzeit in Muthmannshofen aktiv. «Wir sind eine relativ junge Truppe,» sagt der 37-jährige Schönmetzler. Nachwuchsprobleme gibts also derzeit nicht. Seit zwei Jahren nutzen die Helfer ein gebrauchtes Einsatzfahrzeug. Wagen samt Ausrüstungsgegenstände werden über Spendengelder finanziert. Die Helfer-Vor-Ort-Gruppe arbeitet rein ehrenamtlich, der Patient muss nichts für die schnelle Hilfe zahlen.

Gleiches gilt für alle anderen First-Responder-Gruppen, auch die der Johanniter in Dietmannsried. Sie ist eine der größten im Oberallgäu und sie war die erste. Mann der ersten Stunde ist Gruppenleiter Wolfgang Weinert. «Schon als Jugendlicher habe ich mich bei den Johannitern engagiert, es war folgerichtig, sich als Ehrenamtlicher für First-Responder-Dienste zu melden,» sagt der 37-Jährige, der beruflich im Gesundheitswesen tätig ist.

Ausbildung dauert 520 Stunden

Weinert und die anderen sieben «Ersthelfer» in Dietmannsried sind alle Rettungssanitäter (manche auch Rettungsassistent). Das bedeutet, sie haben mindestens eine 520-stündige Ausbildung absolviert, inclusive Klinik- und Rettungswagenpraktikum (je vier Wochen). «Es ist üblich, dass man dafür seinen Urlaub hernimmt,» sagt Martin Fackler (29), der zusammen mit Weinert die Gruppe leitet.

Wer wann Dienst tut, wird vorher festgelegt. Täglich bekommt die Rettungsleitstelle Auskunft darüber, wer im Einsatz ist. In der Regel fahren Weinert und Kollegen, abends oder nachts nach der Arbeit sowie an den Wochenenden - für Gottes Lohn. «Mit Geld ist unser Einsatz eh nicht aufzuwiegen,» sagt Weinert und fügt an «es lohnt sich einfach, Menschen zu helfen.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen