Litzelsdorf / Memmingen
«Es ist ein Friedenswunder»

Erich Graf nennt es ein «Friedenswunder». Für den früheren Bürgermeister des Memminger Partnerortes Litzelsdorf (Burgenland) war es unvorstellbar, dass Eiserner Vorhang und Berliner Mauer einmal fallen würden. «Und wenn, dann nur mit einem großen Konflikt und Blutvergießen, dachte ich.» Beim Besuch einer Memminger Delegation in Litzelsdorf (wir berichteten) blickte Graf jetzt auf die dramatischen Geschehnisse von vor 20 Jahren zurück, die dem Burgenland weltweites Interesse einbrachten.

Es war ein Akt von höchster Symbolkraft, als der damalige ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock bei Sopron (Ungarn) einen Stacheldraht zerschnitten und damit den Eisernen Vorhang durchtrennten, der die Welt in zwei feindliche Lager geteilt hatte. Vor 20 Jahren öffnete Horn den flüchtenden DDR-Bürgern das Tor zum Westen. Viele Menschen aus Deutschlands Osten wurden im Burgenland gastfreundlich aufgenommen. Sie starteten dort in ihr neues Leben.

«Handtaschen durchleuchtet»

Die damaligen Ereignisse brachten auch Veränderungen für die Menschen im Burgenland mit sich. Vor 1989 brauchten sie ein Tagesvisum, um in das benachbarte Ungarn fahren zu können. «Die Handtaschen der Frauen wurden durchleuchtet, es war qualvoll», erinnert sich Graf.

Dagegen sei es ein schönes Gefühl gewesen, nach einer Reise wieder österreichischen Boden zu betreten. Da hätten die Burgenländer gespürt, was Freiheit ist.

Das Streben nach Freiheit hatte sich im Nachbarland Ungarn schon 1956 bei dem blutig niedergeschlagenen Aufstand überdeutlich gezeigt. Für Graf war dies ebenso ein Vorbote der Geschehnisse von 1989 wie mutige Worte von Papst Johannes Paul II. und die polnische Arbeiterbewegung mit Lech Walesa. Den Schlusspunkt in dieser Reihe habe Gorbatschow gebildet.

In Österreich seien keine Vorbehalte gegen ein wiedervereinigtes Deutschland zu spüren gewesen, blickt der Litzelsdorfer Erich Graf zurück. 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist er davon überzeugt, dass die neue Weltordnung «im Großen und Ganzen nur Vorteile gebracht» hat.

Zwar seien nach Österreich billige Arbeitskräfte gekommen, Tschechen gingen in die Wiener Gegend, Serben in die Steiermark. «Doch dieses Problem nivelliert sich immer mehr.»

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